30 Tage und ein ganzes Leben – Ashley Ream

von Deborah von mirgetreu
30 Tage und ein ganzes Leben

Klappentext

„Clementine beschließt zu sterben. In 30 Tagen will die erfolgreiche Malerin, die für ihre Kunst ebenso bekannt ist wie für ihre Scharfzüngigkeit, ihrem Leben ein Ende setzen. Nachdem die Antidepressiva im WC entsorgt worden sind, bleibt ihr noch genau ein Monat, um das eigene Ableben zu organisieren. Schließlich will Clementine kein Chaos hinterlassen: ein letztes großes Bild malen, sich mit dem Ex aussprechen und ein neues Zuhause für den Kater finden. Ihre letzten Tage will sie genau so verbringen, wie sie es will – und nicht wie andere es von ihr erwarten. Doch dabei stößt Clementine auf ungeahnte Hindernisse – und nach 30 Tagen ist nichts mehr so, wie es vorher war…“ (Quelle: btb Verlag)

Mein Eindruck

30 Tage – so viel Zeit gibt sich die schwer depressive Clementine noch zu leben. Denn nach diesen 30 Tagen will sie ihrem Leben ein Ende setzen. Doch in diesen verbleibenden Tagen will sie ihr Leben noch einmal so richtig genießen. Alles tun, worauf sie Lust hat, ohne sich an irgendwelche Regeln zu halten. Also setzt sie ihre vielen Medikamente ab und erledigt eines nach dem anderen und lernt dabei zum ersten Mal so richtig zu Leben. „30 Tage und ein ganzes Leben“ von Ashley Ream war ein Spontankauf, den ich zum Glück keine Sekunde bereuen musste. Das Cover sprach mich dank seiner simplen Gestaltung sofort an und obwohl ich sonst nie Bücher aus einer Laune heraus kaufe, musste ich nach diesem Klappentext das Buch einfach mitnehmen. Die Thematik an sich war mir nicht fremd da ich sie in ähnlicher Form schon in anderen Bücher gelesen hatte. Aber das spielte hier erst mal eine sekundäre Rolle. Ashley Ream schreibt mit ihrem angenehmen Schreibstil über ein eigentlich schwieriges Thema und schafft es dabei, dass man die Protagonistin das ganze Buch über wirklich ernst nimmt.

„Aber weißt du, das schwarze Monster holt einen trotzdem wieder ein. Es schleicht sich von hinten an und zieht einen unter Wasser. Und dort hält es einen fest, so lange es ihm passt, bis es einen dann plötzlich loslässt und man hochploppt wie ein Korken.“ (S.220)

In vielen Büchern wird das Thema Depressionen meiner Meinung nach nicht richtig rübergebracht. Man weiß zwar, was für eine schwere Krankheit dies sein kann, aber kann es den Protagonisten irgendwie nicht abkaufen. Ganz anders hier. Clementine ist einer der authentischsten Charaktere, die mir jemals begegnet sind. Dieser Frau würde ich gerne im wahren Leben begegnen und mir ihre bisher eher unglückliche Lebensgeschichte am liebsten immer und immer wieder anhören. Dennoch muss man sich bei diesem Buch nicht davor fürchten, dass es unglaublich traurig und selbstmitleidig ist – nein im Gegenteil. Clementine will diese 30 Tage in vollsten Zügen genießen und es allen auf ihre besonders freche und kecke Art zeigen. Dabei schreckt die Autorin auch nicht vor etwas deftigeren Szenen zurück, die ich in diesem Buch wohl als letztes vermutet hätte.

„Den Tod zu wählen war etwas anderes, als vom Tod gewählt zu werden. Das Überraschungsmoment fiel weg, ich war kein frisch gefangener Fisch, der auf dem Boden eines Bootes herumzappelte und verzweifelt versuchte, irgendwie Atem zu holen.“ (S. 348)

Ich flog nur so durch die Seiten und schaffte es, das Buch an einem Tag zu lesen. Zu spannend waren die verbleibenden Tage Clementines, die jeweils immer ein Kapitel einnahmen. Bis in die Dunkelheit ließ sie mich erst nicht los und dann zum Ende viel zu schnell. Einen großen Pluspunkt gibt es für die Unvorhersehbarkeit des Buches, die mich das ein oder andere Mal und besonders beim Ende echt überrascht hat. Die Nebenfiguren sind ganz nett, auch wenn es nur wenige gab, die durch ihre Besonderheit herausstachen – das überlassen sie nämlich ganz und gar der überaus besonderen Protagonistin.

Fazit

Ein wahrer Page-Turner, der einem in gewisser Weise zeigt, wie toll das Leben sein kann, wenn man aus dem Rahmen herausbricht und es schafft ganz gegen die sonst übliche Norm zu handeln. Eine außergewöhnliche Protagonistin, dank der ich dieses Buch noch sehr lange im Kopf behalten werde!

Original Titel: Losing Clementine | Verlag: btb Verlag | Format: Taschenbuch | Seitenanzahl: 416
ISBN: 978-3-442-74611-8 | Erscheinungsdatum: 05.2015

0 Kommentar
0

Mehr?

Einen Kommentar hinterlassen

* By using this form you agree with the storage and handling of your data by this website.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen können Sie der Datenschutzerklärung entnehmen. Ich stimme zu Datenschutzerklärung