All die verdammt perfekten Tage – Jennifer Niven

von Deborah von mirgetreu
All die verdammt perfekten Tage

Klappentext

„Ist heute ein guter Tag zum Sterben?, fragt sich Finch, sechs Stockwerke über dem Abgrund auf einem Glockenturm, als er plötzlich bemerkt, dass er nicht allein ist. Neben ihm steht Violet, die offenbar über dasselbe nachdenkt wie er. Von da an beginnt für die beiden eine Reise, auf der sie wunderschöne wie traurige Dinge erleben und großartige sowie kleine Augenblicke – das Leben eben. So passiert es auch, dass Finch bei Violet er selbst sein kann – ein verwegener, witziger und lebenslustiger Typ, nicht der Freak, für den alle ihn halten. Und es ist Finch, der Violet dazu bringt, jeden einzelnen Moment zu genießen. Aber während Violet anfängt, das Leben wieder für sich zu entdecken, beginnt Finchs Welt allmählich zu schwinden…“ (Quelle: Randomhouse)

Mein Eindruck

Theodore Finch steht am Abgrund eines Glockenturms, in sich gekehrt und bereit, mit dem Leben abzuschließen. Seine Gedanken drehen sich um seine mögliche Beerdigung und wer überhaupt um ihn trauern wird, als er plötzlich ein Mädchen neben sich bemerkt. Und obwohl ihn seine eigene Misere völlig einnimmt, fühlt er zu dem zierlichen Mädchen mit der viel zu großen Brille eine Verbindung. Eine Traurigkeit und Endgültigkeit, die ihn dazu bringt, das Mädchen namens Violet davon zu überzeugen, mit ihm zusammen vom Turm zu steigen. Dies ist nicht nur der Anfang von einer Reise auf der Suche nach der Magie von Momenten, sondern auch eine Reise zur Selbstfindung und dem Sinn des Weiterlebens.

„Ich kämpfe, um hierzubleiben, in dieser beschissenen, verkorksten Welt. Wenn ich auf einem schmalen Sims hoch oben über allem stehe, geht es nicht ums Sterben. Es geht darum, die Kontrolle zu behalten. Es geht darum, nie mehr einzuschlafen.“ (S. 24)

„All die verdammt perfekten Tage“ von Jennifer Niven ist ein Buch, das einen nicht mehr loslässt. Das Gefühl, das dieses Buch hinterlässt, ist einfach unbeschreiblich und schwer in Worte zu fassen. Dieses Buch muss man erlebt haben, um zu verstehen, was mit einem geschieht, was Theodore und Violet nach der letzten Seite in einem hinterlassen. Eines vorweg: dieses Buch hat mich sehr überrascht. Ich hatte keine allzu großen Erwartungen, obwohl ich schon einige gute Rezensionen dazu gelesen habe. Dennoch erwartete ich eine gute kurzweilige Unterhaltung zu einem nicht gerade spektakulären und neuem Thema. Die Umsetzung jedoch ist einfach in jeder Hinsicht bereichernd. Ich konnte so vieles aus diesem Buch für mich persönlich mitnehmen, so viele Stellen markieren, die mich berührt oder bewegt haben und einiges von den beiden Protagonisten lernen.

„Ich habe gelernt, dass es auch Gutes auf der Welt gibt, wenn man genau hinschaut und danach sucht. Ich habe gelernt, dass nicht jeder eine Enttäuschung ist – einschließlich mir selbst – und dass eine eintausendzweihundertsiebenundfünfzig Fuß hohe Beule im Boden einem erhabener vorkommen kann als ein Glockenturm, wenn man neben der richtigen Person steht.“ (S.115)

Erzählt wird aus den Perspektiven der beiden 17 Jährigen Teenager Theodore Finch und Violet Markey, die kurz vor ihrem Highschoolabschluss stehen. Beides Menschen, die unvollständig sind. Denen ein Teil des Ichs geraubt oder niemals gegeben wurde. Beide kämpfen mit eigenen, unterschiedlichen Situationen, die sie an den Rand einer Ausweglosigkeit getrieben haben, die nur noch mit dem Gedanken an einen Selbstmord gelindert werden können. Theodore ist ein junger Mann, der nirgends hineinzupassen scheint. Seine größte Angst ist es in eine Schublade gesteckt zu werden, weswegen er sich alle paar Wochen neu erfindet, zu einem 80-er Theo wird, zu einem Engländer Theo oder auch mal zu einem rücksichtslosen, aggressiven Theo. Erst durch Violet, die an dem Tod ihrer großen Schwester zu zerbrechen scheint, lernt er, dass er nicht so nutzlos ist, wie ihm immer und immer wieder vermittelt wurde.

Wer nun denkt, dass es sich hier um eine typische Liebesgeschichte handelt, den muss ich an dieser Stelle enttäuschen – sie ist so viel mehr. Diese Beziehung zwischen zwei Individuen ist etwas so besonderes, fragiles und magisches, dass es sich fast etwas verboten anfühlt, den Gesprächen der beiden zu folgen und zuzuhören. Die Momente, die sie auf ihrer Indiana Wanderung erleben, fühlen sich so echt und real an, dass man fast meinen könnte, man sei live dabei und würde das blaue Loch, die Bücher Wohnmobile oder den Schuh-Baum mit eigenen Augen sehen.

Fazit

Ein Buch wie kein Zweites. Nicht auf eine Ebene mit vergleichbaren Jugendbüchern zu stellen. Magisch, wunderbar, traurig mit einem fulminanten Ende, das das Buch zu etwas sehr besonderem macht. Ein Buch, das nicht nimmt, sondern sehr viel gibt. Unbedingte Leseempfehlung.

Vielen Dank an die Buchhandlung Wittwer und den Limes Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars!

Original Titel: All the bright places | Verlag: Limes | Übersetzer: Alexandra Ernst | Format: Klappenbroschur
Seitenanzahl: 400 | ISBN: 978-3-8090-2657-0 | Erscheinungsdatum: 28.12.2015

0 Kommentar
0

Mehr?

Einen Kommentar hinterlassen

* By using this form you agree with the storage and handling of your data by this website.

Diese Website verwendet Cookies. Mit der Nutzung dieser Seite erklären Sie sich damit einverstanden. Weitere Informationen können Sie der Datenschutzerklärung entnehmen. Ich stimme zu Datenschutzerklärung