Das Licht des Nordens – Jennifer Donnelly

von Deborah von mirgetreu
Das Licht des Nordens

Klappentext

“Der 12. Juli 1906 ist ein schöner, sonniger Tag. Bis man die ertrunkene Grace Brown auf die Veranda des vornehmen Glenmore Hotels legt. Für die junge Mattie, die die Briefe der Toten an ihren Geliebten aufbewahrt, ändert sich mit diesem tragischen Ereignis das ganze Leben. Jennifer Donnelly erzählt die ergreifende Geschichte eines jungen Mädchens, das der ländlichen Enge ihrer Heimat zu entfliehen versucht – fesselnder Entwicklungsroman, Kriminalgeschichte und tragischer Liebesroman zugleich.” (Quelle: Piper)

Mein Eindruck

Die Geschichte spielt in Amerika 1906 und fängt mit dem Fund der Leiche der Grace Brown an, die aus dem See des Glenmore Hotels gezogen wurde. Protagonistin Mathilde Gokey (Gaulthier) – Mattie beschreibt ihre Geschichte aus mehreren Zeitperspektiven. Einmal befindet man sich in der Gegenwart, in der sie als Dienstmädchen im Glenmore Hotel arbeitet und in der die Leiche schon gefunden wurde. Sie arbeitet den Sommer 1906 dort mit mehreren Mädchen und ihrem Kindheitsfreund Weaver. Mattie bekommt eines Tages von dem Streit von Grace Brown und Chester Gilette mit und wird daraufhin von Grace unter Tränen gefragt, ob sie ihr den Gefallen tun könnte, ihre Briefe zu entsorgen. Ein anderes Mal wird die Geschichte nach dem Tod von Matties Mutter erzählt, in der sie sich allein um den Haushalt, ihre drei Schwestern (Lou, Beth und Abby) und ihren Vater kümmern muss – ihr älterer Bruder Lawton lief nach dem Tod der Mutter davon.

“Weaver hatte gesagt, ich sollte meine Wörter anwenden, nicht bloß sammeln, und ich wußte, daß sie über dieses herrliche Papier nur so dahinfließen würden, und wenn ich fertig war, könnte ich alles sicher zwischen den beiden Buchdeckeln verschließen. Wie in einem richtigen Buch.” (S.83)

Mathilde Gaulthier ist französischer Herkunft, wird aber von den Amerikanern nur Mattie Gokey genannt, da sie eventuell ihren französischen Namen für zu kompliziert halten. Sie ist ein sehr zielstrebiges Mädchen, dass alles dafür tut ihren Highschoolabschluss zu schaffen, um danach ein College besuchen zu können. Dies ist allerdings sehr schwierig, da sie sich nach dem Tod ihrer Mutter um ihren Vater und ihre Geschwister kümmern muss. Ihre Leidenschaft sind Fremdwörter, von denen sie täglich ein neues lernt, um ihren Wortschatz zu erweitern. Weaver ist Matties Kindheitsfreund, ein Junge mit afroamerikanischem Hintergrund, der nach der brutalen Ermordung seines Vaters in Südamerika mit seiner Mutter in den Norden zieht. Er teilt ihre Passion für Wörter und möchte mit ihr aufs College gehen.

“Touristen sind eine Menschengattung, die genug Geld hat, um ein oder zwei Wochen, manchmal einen Monat oder sogar einen ganzen Sommer Ferien zu machen. Ich konnte mir nicht vorstellen, einen ganzen Sommer nicht zu arbeiten.” (S. 271)

Da mich, nach dem Abschluss der “Teetrilogie”, die Autorin so begeistert zurückgelassen hatte, war es für mich fast Pflicht diesen Roman zu lesen. Das Licht des Nordens erzählt eine ganz eigene, liebevolle, grausame Geschichte. Man lernt das Mädchen Mattie kennen, das eigentlich nur lernen will. Sie liebt die Wörter und möchte unbedingt studieren. Sie sucht sich jeden Tag ein Wort aus dem Fremdwörterbuch ihrer verstorbenen Mutter aus und versucht dann die wahre Bedeutung des Wortes zu verstehen und die Wörter in ihren Alltag einzubauen. Das ist auch sehr schön in Form der Kapitelüberschriften dargestellt worden, in dem jede Überschrift ein Fremdwort ist. Die Abwechslung der verschiedenen Handlungsstränge, d.h. in der Zeit nach dem Fund der Leiche und in der Zeit vor Matties Anstellung im Hotel, ist ziemlich gut gelungen. Es entsteht nie Langweile. Auch die Briefe von Grace an ihren Geliebten, die immer zwischendurch erscheinen, sorgen für etwas Gänsehaut. Trotzdem fließen am Ende alle Handlungsstränge in ein harmonisches Gesamtbild zusammen und alle Fragen, die man sich während des Lesens gestellt hat, werden nach und nach aufgelöst. Schön ist, dass dieser Roman nicht nur, ich sage es bewusst, ein leichter Krimi ist, sondern auch eine seichte Liebesgeschichte. Zudem ist es sehr interessant, Matties Entwicklungen mit anzusehen und mitzuerleben wie sie um jeden Preis versucht sich weiterzubilden.

Fazit

Alles in allem, war der Roman okay. Das Problem war, dass die Autorin versucht hat, von jedem Genre etwas einfließen zu lassen. Krimi, Liebe oder doch Entwicklungsroman? Die Krimigeschichte war zwar spannend, aber sehr schwach von der Ausgestaltung. Allerdings fand ich die meisten Charaktere sehr liebenswürdig und hätte mir gewünscht, sie hätten noch mehr Seiten gehabt, um sich richtig entfalten zu können.

Original Titel: A Northern Light | Übersetzerin: Angelika Felenda | Verlag: Piper | Format: Taschenbuch Seitenanzahl: 416 | ISBN: 978-3-492-24840-2 | Erscheinungsdatum: 01.12.2006

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