Das schottische Vermächtnis – Susanna Kearsley

von Deborah von mirgetreu
Das schottische Vermächtnis

Klappentext

“An der wildromantischen Nordküste Schottlands mietet die Schriftstellerin Carrie McClelland ein Cottage, um in Ruhe und Abgeschiedenheit an ihrem neuen Roman zu schreiben. Doch schnell findet ihr beschauliches Dasein ein Ende. Nahe den Ruinen von Slains Castle trifft sie auf einen Fremden, der ihr seltsam vertraut erscheint und einer Figur aus ihrem Roman ähnelt. Und bald schon muss Carrie erleben, wie sie selbst zur Protagonistin einer drei Jahrhunderte umspannenden Geschichte von Liebe, Betrug und Verrat wird.” (Quelle: Klappentext)

Mein Eindruck

Der Roman spielt in zwei verschiedenen Zeitebenen. Einmal im Hier und Jetzt mit der Autorin Carrie, die es wegen ihres Romans nach Schottland verschlagen hat. Genauer: Cruden Bay, Aberdeen. Ihr neuer historischer Roman spielt auf Slains Castle, weswegen sie sich ein Cottage mit Blick darauf gemietet hat. Sie trifft auf die Söhne ihres Vermieters, die ihr beide nicht abgeneigt scheinen und durchlebt, wie durch ein Wunder die Geschichte ihrer Ahnin. Außerdem muss sie bald feststellen, dass sie mit jeder neuen Seite ihres Romans, an ihrer Familiengeschichte schreibt. Die zweite Zeitebene spielt im Schottland des 18. Jahrhunderts, in der Carries Romanheldin Sophia nach dem Tod ihres Onkels zu einer entfernten, wohlhabenden Verwandten nach Slains Castle zieht. Dort durchlebt die Protagonistin die Invasion von 1708 und verliebt sich nach und nach in einen geheimnisvollen Besucher ihrer Gastgeberin. Natürlich bleiben etwaige Komplikationen nicht aus.

“Er verbeugte sich, wobei sich die dunklen Locken seiner modischen Perücke über seine Schultern ergossen, und küsste ihr die Hand, als gehörte sie der gleichen Gesellschaftsschicht an wie er.” (S. 47)

Ich habe dieses Buch praktisch verschlungen! Zwar mit ein paar Unterbrechungen, die aber in Anbetracht der Story notwendig waren, um das Geschehene gut zu verarbeiten und einzuordnen. Die Stellen, in denen über die Invasion erzählt wurde, empfand ich, obwohl ich an dem Thema interessiert war, zu langatmig. Da hätte sich die Autorin meiner Meinung nach mehr Mühe geben können, es interessanter zu schreiben. Dennoch ist der Schreibstil der Autorin gut und flüssig zu lesen und bis auf die Geschichtsteile im Roman kam nie Langeweile auf! Die Übergänge zwischen Carries und Sophias Zeit sind auch flüssig und störten meinen Lesefluss kaum. Was mich hingegen störte, war wenn Carries Figuren zum zigtausendsten Mal mit ihr „reden“ wollten und darauf erpicht waren mit ihr zu kommunizieren und sie dann erst mal zum Schreibtisch huschen musste um alles niederzuschreiben. Dennoch fand ich es toll, dass das Buch aus der Perspektive einer Autorin geschrieben wurde.

“Heute spürte ich, wie mein Bewusstsein gegen meine Figuren ankämpfte, die sich weigerten, meine Wege zu gehen.” (S. 210)

Besonders interessant an dem Buch ist der Aspekt des genetischen Gedächtnisses mit dem die Autorin, Carries Erinnerung an die Vergangenheit ihrer Vorfahrin erklärt. Da Carrie nach und nach unbewusst ihre Familiengeschichte nachschreibt, sorgen die Parallelen beim Leser für Konfusion. Ich habe mich oft gefragt, wie dies überhaupt funktionieren soll. Klar sind Romaninhalte erfunden und somit in dieser Hinsicht frei von jeglichen wissenschaftlichen Einschränkungen. Da es sich hierbei aber nicht um einen Fantasy Roman handelt, war ich neugierig, wie die Autorin dies plausibel und glaubhaft erklären wollte. Ich finde die Überlegung, dass es so etwas wie ein genetisches Gedächtnis geben könnte sehr interessant. Auch wenn es wissenschaftlich natürlich nicht belegt ist, so gibt es doch gewisse Punkte, die die Existenz eines genetischen Gedächtnisses möglich erscheinen lassen.

Fazit

Ein wirklich tolles Buch, dass mir viele tolle Eindrücke über das damalige Schottland vermittelt hat. Wenn man sich für Geschichte interessiert und nicht vor ein paar Stellen voller, für den Romanverlauf wichtigen Informationen zurückschreckt, kann ich es uneingeschränkt weiterempfehlen.

Original Titel: The Winter Sea | Verlag: Piper | Format: Hardcover | Seitenanzahl: 448
ISBN: 978-3492050531 | Erscheinungsdatum: 05.2008

Zusatzinfo

Da ich es liebe mich nach dem Lesen eines Buches über die Hintergründe zu informieren, habe ich ziemlich schnell herausgefunden, dass Slains Castle, bzw. die Ruine wirklich existiert und sogar ganz in der Nähe unserer Ferienwohnung in Aberdeen war (mein Freund und ich verbrachten im September 2013 zwei Wochen in Schottland). Also sind wir eines Nachmittags losgepilgert und haben uns auf die Suche nach der Ruine gemacht, um die Schauplätze des Romans live zu erleben. Mit einem Klick auf das jeweilige Bild bekommt ihr eine Großansicht angezeigt.

Das schottische Vermächtnis

Der Weg zur Ruine bestand zu unserem Erstaunen ausschließlich aus Jakobsmuscheln. Naja, eigentlich eher aus ihren Schalen. Das war zwar wirklich sehr ungewöhnlich und schön anzusehen, hat aber nach verfaultem und alten Fisch gestunken. Wir mussten bis zur Ruine mit angehaltenem Atem laufen, da es einem durch den Gestank schier schlecht wurde. Leider war der Parkplatz etwas weiter weg und somit blieb uns nichts anderes übrig…
Auf dem linken Bild sieht man im Hintergrund bereits die Umrisse der Ruine.

Das schottische Vermächtnis

Da ist sie, die Ruine von Slains Castle. Während unserer Zeit in Schottland haben wir viele alte Schlösser angeschaut, viele Ruinen besichtigt. Aber keine war so groß wie die von Slains Castle. Leider sieht man das auf dem Bild nicht sehr gut, aber sie ging nach hinten noch viel weiter. Auf dem rechten Bild sieht man den Abgrund der ins Meer führt. Er befindet sich direkt unter den Ruinenmauern. Wer das Buch gelesen hat weiß, dass auch dieser Abgrund ein Schauplatz im Roman war.

Ist das nicht toll? Den Schauplatz eines Romans zu besichtigen? Es war dort wirklich atemberaubend und durch die Größe und Anmut der Ruine wurde man richtig überwältigt.

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