Der Kuss des Raben – Antje Babendererde

von Deborah von mirgetreu
Kuss des Rabens

Klappentext

„Mila ist schön und rätselhaft. Ihre Vergangenheit will sie um jeden Preis geheim halten. In Moorstein sucht die Sechzehnjährige einen Neuanfang und findet ihre große Liebe. Tristan, eigentlich unerreichbar, erwählt ausgerechnet sie! Mila kann ihr Glück kaum fassen. Doch auch Tristan hat ein Geheimnis. Als in der Kleinstadt ein junger Mann namens Lucas auftaucht und das Haus der Rabenfrau in Besitz nimmt, erwachen die Schatten der Vergangenheit zum Leben. Denn Lucas und Tristan scheinen sich zu kennen – und zu hassen. Im undurchsichtigen Spiel der beiden gerät Mila zwischen die Fronten und findet sich plötzlich vor einem finsteren Abgrund wieder …“ (Quelle: Arena)

Mein Eindruck

Die 16 Jährige Tschechin Mila ist Austauschschülerin an einem deutschen Gymnasium nahe der tschechischen Grenze. Mit ihrem Stipendium erfüllte sich ihr größter Traum von einer guten Ausbildung und öffnet ihr damit die Tore zur Welt. Bald verliebt sie sich in ihren Klassenkameraden Tristan- ein reiches, gut aussehendes und künstlerisches Ausnahmetalent – und erntet damit nicht nur Neid, sondern muss bald auch lernen, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Und auch ihre dunkle Vergangenheit holt sie langsam ein.

„Der Kuss des Raben“ von Antje Babendererde konnte mich leider erst nach ein paar Stolpersteinen fesseln und in Milas Welt voller Mystik und Magie entführen. Der Einstieg fiel mir mehr als schwer. Schon nach den ersten Seiten hatte ich das Gefühl, dass nun alles passiert ist, was passieren sollte. Ich konnte mir nicht vorstellen, in welche Richtung die Geschichte verlaufen sollte, welchen Inhalt die nächsten 400 Seiten denn bitte haben sollten. Hätte ich nicht zuvor schon Bücher von Frau Babendererde gelesen und geliebt, hätte ich an dieser Stelle wahrscheinlich aufgegeben. Doch das Durchhalten hat sich wirklich gelohnt! Kaum hatte ich die erste Hürde überwunden, konnte ich das Buch auch nicht mehr aus der Hand legen. Spannend und rasant ging es weiter und ich hatte das Gefühl plötzlich ein komplett anderes Buch in den Händen zu halten.

Kuss des Rabens

„Wasser war Magie und niemandes Besitz. Es gehörte zur Welt der Geister, in der nichts so war, wie es schien, und in der jedem Stein, jedem Baum und jedem Regentropfen eine unbekannte Macht innewohnte.“ (S. 57)

Dies ist definitiv kein Buch mit großen Fantasyelementen, sondern erzählt zum Teil vom Glauben und den Sagen einer Kultur, die oftmals mit negativen Gedanken verknüpft ist. Mila ist eine Roma und versucht diesen Aspekt vor ihren deutschen Mitschülern zu verbergen. Denn sie weiß, mit welchen Vorurteilen anderen ihr begegnen werden, sobald sie die Wahrheit herausfinden. Frau Babendererde schafft es, und das muss ich ihr hoch anrechnen, mich immer wieder für Kulturen zu interessieren und begeistern, die nicht so populär sind und klärt damit auch ein Stück weit auf. Mädchen, die jung verheiratet werden, um möglichst bald viele Kinder zu gebären brauchen dementsprechend nicht die gleiche Schulausbildung wie Jungs. Solche Gedanken sind für unsere Verhältnisse eher ungewöhnlich und gerade deswegen so interessant und vor allem wichtig zu erfahren. Da Mila in ihrer Heimat nicht zur Schule gehen darf, entscheidet sie sich gegen ihre Herkunft und für eine Zukunft in Deutschland, in der es ihr größtes Ziel ist, Ärztin zu werden.

Kuss des Rabens

Aus drei unterschiedlichen Perspektiven wird so von Mila, dem Romamädchen erzählt, welches mir leider nie so ganz sympathisch werden wollte. Auch die anderen Charaktere konnten mich nicht von sich überzeugen, obwohl ich Lucas als den geheimnisvollen Außenstehenden doch ganz interessant fand. Besonders gefallen hat mir, wie sehr mich das Buch doch überraschen konnte. Niemals hätte ich zu Beginn gedacht, dass es sich in so eine Richtung entwickeln würde. Auch der Genremix aus etwas Fantasy, Romantik und Thrillerelementen fand ich gelungen und machte das Lesen umso unterhaltsamer.

Fazit

„Der Kuss des Raben“ konnte mich anfangs leider gar nicht von sich überzeugen, was nicht zuletzt daran lag, dass ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, in welche Richtung das Buch noch gehen würde. Es wurde schnell langweilig, sodass ich es pausieren musste. Als ich ihm noch eine zweite Chance gab und die Dinge erst mal ins Rollen gekommen waren, konnte ich es kaum mehr aus der Hand legen. Der interessante Einblick in eine fremde Kultur voller Mythen und Sagen und der tolle Genremix konnten mich dann letztlich doch noch von sich überzeugen.

Vielen Dank an den Arena Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars!

Verlag: Arena | Seitenanzahl: 496 | ISBN: 978-3-401-60009-3 | Erscheinungsdatum: 03.2016

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