Der wilde Garten – Barbara Claypole White

von Deborah von mirgetreu
Der wilde Garten

Klappentext

„Seit die junge Landschaftsgärtnerin Tilly ihren Mann auf tragische Weise verlor, lebt sie sehr zurückgezogen. Bis James vor ihrer Tür steht. Er leidet an einer Zwangsneurose. Mit Gärtnerei will er sie überwinden, und ausgerechnet die bezaubernd-chaotische Tilly soll ihm dabei helfen. Tilly ist wenig begeistert. Sie hat genug eigene Probleme, und ein ordnungsliebender Amerikaner ist das Letzte, was sie in ihrem Garten gebrauchen kann. Doch James bleibt hartnäckig, und plötzlich werden beide zwischen Rosen und Lavendel von der Liebe überrascht.“ (Quelle: Ullstein Verlag)

Mein Eindruck

Tilly hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Die gebürtige Engländerin hat einen eigenen Pflanzengroßhandel in einer abgeschiedenen Gegend Amerikas und genießt das Leben in der Natur. Allerdings leidet sie auch nach 3 Jahren noch stark unter dem frühen Tod ihres Mannes und überlegt wieder in ihre alte Heimat England zurückzukehren. Wäre da nicht ihr kleiner Sohn Isaac, der in Amerika aufgewachsen ist und auf keinen Fall dort weg möchte. Eines Tages kommt ein attraktiver Mann in Tillys Geschäft und bietet ihr 50.000$ dafür, dass sie seinen Garten anlegt. Doch obwohl sie ablehnt, lässt er nicht locker und ändert bald sein ganzes Leben für die junge Witwe.

„Schlimme Dinge sind wie sommerlicher Hagel, der in wenigen Minuten die Veranda vor dem Haus bedeckt. […]  Und dann weht der Wind über die Hagelkörner, bringt sie zum Schmelzen, und die Luft kommt einem irgendwie gereinigt vor. Es ist eine kurze Verschnaufpause nach wochenlanger Hitze, ein unerwartetes Geschenk wie die Schafskälte.“ (S.440)

„Der wilde Garten“ von Barbara Claypole White sprach mich in erster Linie wegen seines Covers an. Der Scherenschnitt und die glänzenden Blätter fielen mir in der Buchhandlung sofort auf, und da mich die Thematik unglaublich interessierte, wollte ich es so schnell wie möglich lesen. Der Schreibstil Claypoles ist sehr angenehm und leitet einen locker durch die Seiten. Es entsteht zwar keine große Spannung, liest sich aber dennoch so leicht, dass man nur so durch die Zeilen gleitet und dabei völlig die Zeit vergisst. Obwohl der Roman 487 Seiten umfasst, entsteht weder Langeweile noch zieht es sich. Gewiss gibt es Stellen, die interessanter waren als andere, aber im Großen und Ganzen, möchte man dieses Buch nicht so schnell aus der Hand legen.

„Mit der Gartenarbeit ist’s wie mit dem Leben. Man muss mit dem arbeiten, was einem die Natur gegeben hat.“ (S.204)

Der Roman wird sowohl von Tilly als auch von James erzählt, wobei Tillys Sicht überwiegt. Tilly ist eine naturliebende Schlangenhasserin, deren früher Verlust ihres Mannes Schuldgefühle in ihr hervorrufen. Ihr Sohn ist ihr „Glückskäfer“, den sie über alles liebt und beinahe überfürsorglich behandelt. Aus ihrer Sicht lebt sie nur für ihren Sohn Isaac und um in ihrer Rolle als Mutter aufzugehen. Dabei denkt sie jedoch nie an sich. James ist ein erfolgreicher Softwareentwickler und kann es sich leisten schon mit 45 in den Ruhestand zu gehen. Jedoch ist er kein normaler Mann mittleren Alters, denn ihn quälen schlimme Angstzustände und Zwangsneurosen. Er möchte sich in einer Konfrontationstherapie seinen Ängsten stellen und Tilly engagieren, um sie dabei zu beobachten wie sie mit dem schlimmsten aller Übel klarkommt: Schmutz und Dreck, kurz: Erde. Seine eigentliche Absicht wird jedoch bald von dem Bedürfnis ihr nah zu sein verdrängt und er versucht sie immer und immer wieder davon zu überzeugen für ihn zu arbeiten. Diese Zwangsneurosen mitzuerleben gehörte für mich zu den interessantesten Aspekten dieses Buches. Es steckt natürlich eine Liebegeschichte als Hauptthematik dahinter, dennoch habe ich noch nie eine solche mit derart „verkorksten“ Charakteren gelesen. Tilly als trauernde Übermutti mit Schuldgefühlen und James, der bei jeder Berührung mit Schmutz denkt, dass er oder andere Menschen sofort Krebs bekommen und sterben. Am Ende jeder Seite habe ich mich gefragt, wie die beiden wohl zueinander finden werden und wie sie mit ihren Gefühlen und seinen Ängsten zurechtkommen.

Fazit

Ein toller Roman über eine große Liebe, die es schafft selbst die größten Sorgen und Ängste zu überwinden.

Vielen Dank an den Ullstein Verlag für die Bereitsstellung dieses Exemplars!

Original Titel: The Unfinished Garden | Verlag: Ullstein | Format: Taschenbuch | Seitenanzahl: 496
ISBN: 9783548286259 | Erscheinungsdatum: 04.2014

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