Die Jasminschwestern – Corina Bomann

von Deborah von mirgetreu
Die Jasminschwestern

Klappentext

“Ein Unfall, ein Schock und eine große Frage: Als ihr Freund verletzt ins Koma fällt, flüchtet Melanie Sommer zu ihrer vietnamesischen Urgroßmutter Hanna. Als Hanna merkt, wie sehr die junge Frau mit ihrem Schicksal und der Liebe hadert, erzählt sie ihr zum ersten Mal aus ihrem Leben: Von der dramatischen Kindheit im exotischen Saigon, vom schillernden Berlin der Zwanzigerjahre und einer großen Liebe, von der schweren Zeit während des Krieges und dem Neuanfang als Hutdesignerin in Paris. Hanna hat viel verloren, aber auch unendlich viel gewonnen. Und Melanie erkennt, dass ihre schönste Zeit noch vor ihr liegt – egal, was das Schicksal noch für sie bereithält.” (Quelle: Klappentext)

Mein Eindruck

Melanies scheinbar perfekte Welt wird durch einen Anruf zerstört. Ihr Verlobter Robert hatte einen schweren Unfall und liegt im Koma. Die junge, erfolgreiche Fotografin mit vietnamesischen Wurzeln, steht am Rande eines Nervenzusammenbruchs und wird nach monatelangem Wachen an Roberts Krankenbett, zu ihrer Urgroßmutter Hanna geschickt. Eine betagte Frau, die zusammen mit Melanies Großmutter in einem riesigen Anwesen wohnt und dort ein Modemuseum betreibt. Um Melanie Trost zu spenden, erzählt Hanna von ihrer Geschichte – eine Geschichte, die von Saigon, Deutschland bis Paris reicht und bisher niemand zu Ohren bekam. Denn Hanna hat eine schockierende, dunkle Vergangenheit…

„Aber das Glück ist sehr launisch, und das Glück war zu jenen Zeiten wie ein Vogel, der zu dünn für jedes Gitter war. Er blieb, solange er bleiben wollte, flatterte dann aber einfach davon.“ (S.92)

„Die Jasminschwestern“ ist der neuste Roman von Corinna Bomann und zieht einen wie gewohnt nach den ersten paar Seiten in seinen Bann. Der Schreibstil ist angenehm und animiert sofort zum intensiven Weiterlesen. Das Cover besticht durch ein wirklich schönes Motiv und auch der Buchschnitt ist, wie schon von Frau Bomanns Romanen gewohnt, wunderbar geschmückt. Protagonistin Melanie führt ein perfektes Leben – sie ist Fotografin und reist dafür rund um den Globus. Ihr großer Traum ist es, ihre Flitterwochen in Vietnam zu verbringen. Zwar hatte sie dort bereits Aufträge, konnte das Land ihrer Vorfahren dabei jedoch nie wirklich kennenlernen. Doch wie es im Leben so ist, kommt es meistens anders, als man denkt. Melanies Verlobter Robert liegt im Koma und eine Besserung ist nicht in Sicht. Als Leser kann man wirklich gut in Melanies Situation eintauchen, man leidet förmlich mit ihr mit und fragt sich, wie man selbst mit so einem Schicksalsschlag umgehen würde. Melanie wandelt sich während dieser Phase von der starken, selbstbewussten Fotografin zu einer verzweifelnden, ängstlichen jungen Frau, deren größte Angst es ist, ihren Verlobten zu verlieren. Ihr einziger Anker in dieser schwierigen Situation sind ihre Großmütter, zu denen sie ihre Mutter nach einem Zusammenbruch schickt. Hanna, ihre Urgroßmutter, stammt aus dem Vietnam und hat trotz Rheuma und ihres hohen Alters nichts von ihrer inneren Vitalität eingebüßt. Sie ist es, die Melanie den Auftrag gibt, auf dem Dachboden des alten Anwesens aufzuräumen und in den Kisten vergessene Schätze für das Modemuseum ausfindig zu machen. Dass bei dieser Aktion ein Geheimnis ans Licht kommt, das Hanna nur für Melanies Ohren bestimmt hat, muss glaube ich, nicht erwähnt werden. Melanie erfährt die wahre Geschichte ihrer Urgroßmutter und begleitet sie in ihren Erzählungen durch Saigon, Hamburg, Berlin und Paris.

Die Jasminschwestern

„Robert hatte mal gemeint, dass Liebe für ihn so etwas sei, wie barfuß Hand in Hand über eine nasse Wiese zu rennen. Dies hatten sie etliche Male gemacht, und für einen Moment stellte sich Melanie vor, genau das wieder mit ihm zu tun.“ (S.212)

Der Roman wechselt immer wieder zwischen Gegenwart mit Melanie und der Vergangenheit von Hanna. Trotzdem entsteht in keinem Moment Verwirrung. Die Schaustätten werden so eindrücklich und detailliert beschrieben, dass man sich stets alles bildlich vorstellen kann, und meint den feinen Geruch der Gewürze in der Luft Saigons zu riechen. Man schwelgt in den Erinnerungen Hannas und ist regelrecht traurig, wenn es wieder in die Gegenwart wechselt. Es liest sich, als würde man seiner eigenen Großmutter zuhören, die von ihren Kindheitserinnerungen erzählt. Sehr persönlich und nah. Ich konnte nicht genug davon haben und fand es schade, dass nicht ihre komplette Vergangenheit beleuchtet wurde. Dennoch war ich von einigen Passagen regelrecht schockiert, da sie unverblümt auf einen Umstand aufmerksam machen, der auch heute noch ein großes Problem darstellt.

Fazit

Ein wunderbarer Roman der einen in mehrere Zeitabschnitte und Orte der Welt führt. Die Autorin schafft es trotz der etwas höheren Seitenzahl, in keinem Moment Langeweile aufkommen zu lassen. Absolute Empfehlung!

Vielen Dank an vorablesen und dem Ullstein Verlag für die Bereitsstellung dieses Exemplars!

Original Titel: Die Jasminschwestern | Verlag: Ullstein | Format: Taschenbuch | Seitenanzahl: 528
ISBN: 9783548285276 | Erscheinungsdatum: 05.2014

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