Die letzten Tage von Rabbit Hayes – Anna McPartlin

von Deborah von mirgetreu
Die letzten Tage von Rabbit Hayes

Klappentext

„Stell dir vor, du hast nur noch neun Tage. Neun Tage, um über die Flüche deiner Mutter zu lachen. Um die Hand deines Vaters zu halten (wenn er dich lässt). Und deiner Schwester durch ihr Familienchaos zu helfen. Um deinem Bruder den Weg zurück in die Familie zu bahnen. Nur neun Tage, um Abschied zu nehmen von deiner Tochter, die noch nicht weiß, dass du nun gehen wirst …“ (Quelle: Rowohlt Verlag)

Mein Eindruck

Rabbit Hayes muss bald sterben. Sie hat Krebs im Endstadium und sieht ihrem Ende nicht nur nüchtern entgegen, sondern nimmt es auch noch mit viel schwarzem Humor. Und so beginnt der Anfang vom Ende, in dem Rabbit von ihrer Mutter in ein Hospiz gefahren wird. Der Ort, an dem sie sterben wird. Doch Rabbit ist noch nicht bereit komplett loszulassen. Ihre Vergangenheit holt sie in ihren Träumen ein und auch ihre geliebte, noch viel zu junge Tochter Juliet muss noch erfahren, dass ihre Mutter nicht mehr nach Hause kommen wird.

„Grace war sechsundvierzig und ihr Bruder vierundvierzig Jahre alt, doch auf einmal waren sie nur noch hilflose Kinder am Bett ihrer kleinen Schwester, die nicht wussten, was sie sagen sollten, und verzweifelt darauf hofften, dass ihre Mama alles wiedergutmachte.“ (S.47)

Eines vorweg: ich glaube ich habe noch nie ein so trauriges Buch gelesen wie dieses. In 9 Kapiteln, die jeweils einen Tag darstellen, nimmt uns Rabbit mit auf eine Reise durch ihr Leben. Mit melancholischen Worten und Sätzen erzählt sie von ihrer Kindheit, die sie dank ihrer unglaublich liebevollen und besonderen Familie in vollsten Zügen genießen konnte. In ihren Träumen, die die Rückblenden in ihre Kindheit und Jugend darstellen, ist sie wieder das dürre Mädchen, das am liebsten der Band ihres großen Bruders beim Proben lauschte und sich ihr zukünftiges Leben ausmalte. Besonders auf den Sänger der Band hatte sie ein Auge geworfen, welcher nach und nach zu ihrer ersten großen Liebe werden sollte. Doch Rabbits Jugend ist auch von Tragik und Verlust geprägt, dessen Verarbeitung ihr zum inneren Frieden verhilft. Außerhalb von Rabbits Träumen versuchen ihre Familienmitglieder Abschied zu nehmen. Egal ob Eltern, die Geschwister, die beste Freundin oder ihre Tochter. Jeder verarbeitet das nahende Ende Rabbits anders und gewährt Einblick in die endlose Liebe zu einer Frau, die des Lebens niemals überdrüssig wurde und es aus vollsten Zügen genoss. Sei es die große Schwester, die mit ihrem Leben als Hausfrau und Mutter von Söhnen gerade so klarkommt und sich nun Gedanken darüber macht, dass Rabbits Tochter ohne Mutter aufwachsen muss. Ihr Bruder, der seinen Traum lebt und nun als Musiker durch Amerika tourt und dabei doch unglücklich ist. Oder sei es die schon ältere Mutter, die sich die Schuld dafür gibt, dass sie nicht imstande war ihre jüngste Tochter vor dieser tödlichen Krankheit zu beschützen.

„Rabbit brauchte nie den Glauben an irgendeinen Gott, um die Wunder der Welt zu bestaunen, um Freude, Hoffnung, Liebe und Zufriedenheit zu empfinden. Rabbit lebte im Augenblick. Sie wusste nie, was als Nächstes kam, und es interessierte sie auch nicht.“ (S. 105)

Anna McPartlin beschreibt die Szenen so eingehend und mitreißend, dass man nicht anders kann, als sich zu 100% auf die Charaktere und Geschichte einzulassen. Man kann sich diesem Sog, diesen überwältigenden Gefühlen einfach nicht entziehen und liest dieses Buch inmitten eines Wechselbades der Gefühle. Auch wenn man zu Beginn des Buches bereits weiß, wie es enden wird, ist man doch so voller Neugier auf das Leben dieser Frau, die sich über ihren eigenen Tod lustig macht und trotzdem nicht den Lebenswillen verliert. Durch den authentischen Schreibstil wirkt diese Geschichte so nah und echt, die Charaktere so unglaublich liebevoll und einzigartig, dass man sie einfach nicht mehr gehen lassen möchte. Ich habe selten so tolle, unterschiedliche Charaktere auf einem Haufen gesehen. Allesamt mit Ecken und Kanten, die sie und ihren Schmerz jedoch sehr real wirken ließen.

Fazit

Es gibt so viele Bücher, die dieses traurige Thema behandeln: Ein Charakter, der unheilbar erkrankt ist und nun Abschied vom Leben nimmt. Doch noch nie konnte mir die Geschichte, die Charaktere und der Abschied so glaubhaft vermittelt werden wie hier. Ein unglaubliches Buch, das mit seiner Vielschichtigkeit einfach überzeugt. Klare Leseempfehlung!

Vielen Dank an Lovelybooks und den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars!

Original Titel: The Last Days of Rabbit Hayes | Verlag: Rowohlt Verlag | Format: Taschenbuch | Seitenanzahl: 464
ISBN: 978-3-499-26922-6 | Erscheinungsdatum: 03.2015

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