Die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Blogger – Teil 3 mit Sebastian Rothfuss vom Blanvalet, Limes und Penhaligon Verlag!

von Deborah von mirgetreu

Ich freue mich euch heute den dritten Teil meiner Interviewreihe zum Thema „Die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Blogger“ präsentieren zu dürfen.

Teil 1 mit Ute Nöth von Hoffmann und Campe findet ihr hier
Teil 2 mit Hilke Schenck von Carlsen hier

Wie auch schon beim letzten Interview angesprochen möchte ich euch noch mal für die unglaubliche Resonanz danken! Es ist für mich als Blogger einfach total schön zu sehen, wie viele Menschen sich für dieses Thema interessieren! Ein paar Blogger haben diese Interviewreihe zum Anlass genommen, um aus der Bloggersicht über die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Blogger zu berichten. Die Beiträge sind wirklich super interessant und unheimlich gut geschrieben. Falls ich einen Beitrag vergessen haben sollte, weist mich doch bitte darauf hin!

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Heute mit Sebastian Rothfuss vom Blanvalet, Limes und Penhaligon Verlag!

Quelle: Privat

Hallo Sebastian! Erzähl doch mal etwas über Dich und wie Du den Weg in die Verlagsbranche gefunden hast.

Nach dem Abi habe ich eine Ausbildung zum Buchhändler gemacht, drei Jahre in einer kleinen Buchhandlung und danach habe ich noch zwei Jahre bei einem großen Filialisten gearbeitet. Da habe ich dann schon gemerkt, dass ich weiter und vor allem vom Verkauf weg möchte und Buchwissenschaften in München studiert – kurz gesagt ein BWL Studium das auf die Verlagsbranche spezialisiert ist. Während des Studiums habe ich dann bei Heyne in der Presseabteilung gejobbt und arbeite nun schon seit fast 7 Jahren bei Blanvalet in der Presseabteilung.


Mit wie vielen Bloggern arbeitest Du zusammen. Gibt es ein bestimmtes Genre unter den Bloggern, das besonders oft gelesen wird?

Wir arbeiten mit weit über 1000 Blogger zusammen. Mit manchen öfter, mit manchen auch nur einmalig. Durch das Bloggerportal sind es sehr viel mehr geworden. Es sind nun bestimmt auch viele dabei, die das Bloggerportal einfach nur mal ausprobieren wollen. Durch das Portal wurde, zum Vorteil vieler Blogger, eine Hürde abgebaut, da man nun nicht mehr suchen muss wer für was zuständig ist oder an wen man sich bei Fragen wenden muss. Es läuft nun alles schneller ab, was auf den ersten Blick den Eindruck einer Automatisierung hinterlässt. Dennoch landet alles was die Blogger im Bloggerportal machen, bei dem jeweiligen Bloggerbetreuer auf dem Schreibtisch. Sowohl die Anfragen als auch die Rezensionen.

Besonders beliebt sind genau die Titel, die man in der klassischen Presselandschaft eher weniger findet: Fantasy, Romance, Debüts usw.


Wie stellst Du Dir eine gute Zusammenarbeit zwischen Verlag und Blogger vor & hast Du mit Bloggern schon positive Erfahrungen gemacht?

Eigentlich ist es ganz banal: Man fragt die Bücher an, ich verschicke sie als Rezensionsexemplar und man rezensiert. Das ist schon alles. Das eröffnet dann auch wieder den Weg für das nächste Rezensionsexemplar. Ich mache nahezu ausschließlich positive Erfahrungen mit Euch Bloggern.


Hast Du auch schon negative Erfahrungen mit Bloggern machen müssen?

Negative Erfahrungen mit Bloggern habe ich fast gar keine machen müssen. Die meisten Blogger sind wirklich super und anständig. „Schlechte Erfahrung“ wenn, dann vielleicht aus Unwissenheit heraus, dass jemand ein Rezensionsexemplar verkauft. Das geht dann natürlich an die Rechtsabteilung, was zu einer Abmahnung führen und ernste Folgen haben kann. Aber meistens sind es Blogger, die erst ganz frisch dabei sind und sich nichts Böses dabei gedacht haben. Da findet man meist auch eine Lösung ohne Gefängnis (lacht).

Wie sieht für Dich eine gute Rezension aus. Hast Du da bestimmte Anforderungen?

Ich verschicke mit jedem Rezensionsexemplar ein Infoblatt, das handhabt aber jeder Bloggerbetreuer im Randomhouseportal unterschiedlich. Für mich ist es einfach wichtig, dass die Blogger klare Regeln haben. Insbesondere für Neulinge ist es eben essentiell gleich zu sehen worauf es ankommt. Die haben es dann schwarz auf weiß, was viel Sicherheit schafft.


Wie gehst Du mit negativen Rezensionen um? Ist man dann vielleicht ein bisschen böse auf den Blogger oder versucht man es nachzuvollziehen?

Wenn jemand begründet, warum er es negativ findet, dann ist das vollkommen in Ordnung. Das heißt dann für mich, dass er sich damit auseinandergesetzt hat und eben eine persönliche Meinung hat. Ich würde niemals eine Rezension verbieten – kann ich auch gar nicht! Dennoch schreiben mir viele Blogger „Ohje, jetzt hat es mir nicht gefallen. Was soll ich denn jetzt machen?“ Ganz einfache Antwort von mir: Schreib deine Rezension und erkläre Deinen Followern, warum es Dir nicht gefiel!


Wie beeinflussen Blogs Deiner Meinung nach die Buchbranche?

Schwer zu sagen, da ich nicht 1 zu 1 erlebe wie sich die Verkäufe dadurch bewegen. Aber ich vertraue einfach schon aus dem Bauchgefühl heraus darauf, dass es ein Erfolg ist, weil Blogger einfach einen direkten Verbreiter darstellen. Ihr seid keine Journalisten, die über ihre Zeitung anonyme Leser ansprechen, sondern Ihr sprecht eure Freunde, eure Follower, eure Fans oder andere Blogger an. Da ist die Vertrauensbasis gleich viel größer. Wenn mir ein Kollege sagt: „Hey, das Buch, das ich gelesen habe, hat mich so umgehauen weil…“ und ich mag und vertraue dem Kollegen, dann lese ich das Buch, da ich weiß, dass es kein Marketing ist, das er betreibt.


Liest Du auch in Deiner Freizeit Blogs und holst Dir dort Buchtipps?

Leider habe ich dazu keine Zeit. Auch die ganzen Rezensionen, die ich von den Bloggern bekomme, kann ich nur überfliegen und grob anschauen. Da ich sowohl die klassische Presse betreue, als auch die Öffentlichkeitsarbeit mache und die Social Media Kanäle verantworte, schaffe ich das leider nicht. Das sind manchmal pro Tag über hundert Rezensionen. Es ist wirklich schade, aber ich kann auch keine Rezensionen von unseren Büchern in Zeitschriften angucken. Da sehe ich dann nämlich noch zehn andere Bücher die ich interessant finde und kaufen möchte – und die Zeit fehlt mir einfach.


Da Du schon sagtest, dass Du kaum mehr Zeit hast: Kommst Du dann noch überhaupt zum Lesen? Was ist Dein momentanes Lieblingsbuch aus dem Verlag?

Für die Arbeit muss ich sehr viel lesen. Wir veröffentlichen durchschnittlich 300 Bücher im Jahr. Das baut dann natürlich ordentlich Druck auf. Oftmals muss ich auch ein Buch vor Erscheinen im Original lesen, um einstufen zu können in welche Richtung der Titel geht und ob wir da eher Pressearbeit machen müssen oder ob es etwas ist, dass das Marketing in die Hand nehmen sollte.

Jetzt im Januar ist „Die Herren der grünen Insel“ von Kiera Brennan erschienen. Der Roman spielt im Irland des Mittelalters, ist aber kein historischer Roman an sich, sondern eine fiktive Handlung in historischem Setting mit ordentlich Gewalt, Intrigen und ein bisschen Liebe. Eine Art realistisches „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin aber aus der Feder einer deutschen Autorin.

Vielen Dank Sebastian, dass du dich meinen Fragen trotz des Messetrubels gestellt hast!

Was konntet ihr für euch persönlich aus den Interviews mitnehmen? Ist euch etwas besonders positiv oder negativ aufgefallen, das ihr vorher nicht wusstet?

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