Du neben mir – Nicola Yoon

von Deborah von mirgetreu
Du neben mir

Klappentext

„Am Anfang war ein Traum. Und dann war Leben! Wenn ihr Leben ein Buch wäre, sagt Madeline, würde sich beim Rückwärtslesen nichts ändern: Heute ist genau wie gestern und morgen wird sein wie heute. Denn Madeline hat einen seltenen Immundefekt und ihr Leben lang nicht das Haus verlassen. Doch dann zieht nebenan der gut aussehende Olly ein – und Madeline weiß, sie will alles, das ganze große, echte, lebendige Leben! Und sie ist bereit, dafür alles zu riskieren.“ (Quelle: Dressler Verlag)

Mein Eindruck

Wie würdest du dich fühlen, wenn du dein ganzes Leben noch nie einen Schritt nach draußen wagen durfest. Du 24 Stunden jeden Tag in einem Haus eingesperrt bist, nur um zu überleben? Die 18-jährige Madeline steht unter ständiger Beobachtung und hat ihre eigene Krankenschwester die sie und ihre Vitalwerte jeden Tag 8 Stunden lang bewacht. Madeline leidet an einer Immunkrankheit, was bedeutet, dass sie eigentlich gegen alles auf der Welt allergisch ist. Besuch darf sie keinen empfangen und selbst ihre Mutter, die praktischerweise Ärztin ist, und ihre Pflegerin Carla müssen jedes Mal, wenn sie in das Haus kommen, 20 Minuten lang in einer Luftschleuse dekontaminiert werden. Ein ziemlich tristes Leben, wie man sich wohl sehr leicht vorstellen kann. Bis eines Tages eine Familie in das Nachbarshaus zieht und Madelines Welt komplett auf den Kopf stellt. Denn plötzlich spürt sie dieses Verlangen, ihr Leben wirklich leben zu wollen und nicht in einem sterilen Haus vor sich hinzuvegetieren.

„Das Meer ist das Meisterwerk von Mutter Natur – faszinierend, wunderschön, unpersönlich, mörderisch. Denk doch nur: So viel Wasser und du kannst trotzdem vor Durst sterben. Und der einzige Zweck der Wellen ist es, dir die Beine wegzureißen, damit du schneller ertrinkst.“ (S. 86 f.)

Du neben mir

„Du neben mir“ von Nicola Yoon stand schon eine ganze Weile auf meiner Wunschliste und wurde deswegen auch direkt am Erscheinungstag gekauft. Dass es dann doch so lange gedauert hat, bis ich es tatsächlich in die Hand genommen habe, kann daran liegen, dass das Buch zu dem Zeitpunkt in jeglichen Social Media Kanälen aufgetaucht ist und es scheinbar jeder gleichzeitig gelesen hat. Irgendwie war mir dadurch die Lust am Buch vergangen, obwohl die Kritiken dazu durchweg gut waren.

„Wir können entweder unsterblich sein oder uns ans Berührungen erinnern. Beides ist nicht möglich.“ (S.135)

Besonders auffällig ist die Aufmachung des Buches. Schon während der ersten paar Seiten fällt einem die tolle, liebevolle Gestaltung auf, die sich in Form von Chatauszügen, Zeichnungen und kleinen Berichten durch das ganze Buch zieht. Sie sorgen für eine etwas lockere Atmosphäre, da die Thematik an sich doch relativ ernst ist. Es hat mir besonders gefallen, dass die Protagonistin all diese Dinge ausspricht, die einem als gesunder Mensch niemals auffallen würde. Wie sehr man seinen Körper und die Gesundheit die man hat, schätzen sollte. Dass es aus ihrer Sicht betrachtet, schon unglaublich ist, mit den Füßen das kalte Wasser des Meeres zu spüren oder die normale ungefilterte Luft ohne Beschwerden atmen zu können. Alles selbstverständliche Dinge, die einem so gar nicht bewusst sind, weil wir sie tagtäglich erleben dürfen. Als dann der Nachbarsjunge Olly in ihr Leben tritt und sie sich partout nicht mehr vorstellen kann, wie sie jemals ohne Liebe und Schmetterlinge im Bauch leben konnte, gerät allerdings alles außer Kontrolle. Sie möchte sich nicht nur auf Chats beschränken und nicht mehr mit ansehen, wie sich sein immer betrunkener Vater an seiner Mutter vergreift, ohne für Olly persönlich da zu sein. Madeline schreitet immer schneller an die Grenzen ihres bisherigen Lebens und würde lieber sterben, als so wie bisher weiterzuleben.

Du neben mir

Die Thematik an sich fand ich sehr interessant, da ich schon vor einigen Jahren einen Bericht zu einer solchen Krankheit einer Betroffenen gelesen hatte und es mich lange Zeit nicht mehr losgelassen hat. Es ist unglaublich und für mich unvorstellbar, ständig aufpassen zu müssen, mit nichts in Berührung zu kommen, was eventuell kontaminiert ist. Niemals das Haus zu verlassen und vor allem keine persönlichen sozialen Kontakte pflegen zu können. Dennoch konnte mich das Buch im Gesamtzusammenhang nicht zu 100% von sich überzeugen. Das Ende konnte ich mir schnell ausmalen, auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass es so aussehen würde. Dennoch fehlt mir das gewisse Etwas, das mich emotional berührt.

Fazit

Ein Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt und ein Thema anspricht, das einem sonst so gar nicht bewusst ist. Der Wert des Lebens. Wie glücklich wir uns schätzen dürfen, ohne eine solche Krankheit zu leben. Dennoch hatte es mir zu wenig Ecken und war alles in allem etwas zu rund. An dieser Stelle hätte ich mir etwas mehr Pepp gewünscht. Trotzdem ein interessantes und kurzweiliges Buch, das schon allein wegen der Aufmachung den Kauf wert ist.

Original Titel: Everything, Everything | Verlag: Dressler | Übersetzer: Simone Wiemken | Format: Hardcover Seitenanzahl: 336 | ISBN: 13: 978-3-7915-2540-2 | Erscheinungsdatum: 09.2015

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