Ein Buchladen zum Verlieben – Katarina Bivald

von Deborah von mirgetreu
Ein Buchladen zum Verlieben

Klappentext

“Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft. Die 65-jährige Amy aus Iowa und die 28-jährige Sara aus Schweden verbindet eines: Sie lieben Bücher – mehr noch als Menschen. Begeistert beschließt Sara, ihre Seelenverwandte zu besuchen. Als sie jedoch in Broken Wheel ankommt, ist Amy tot. Und Sara mutterseelenallein. Mitten in der Einöde. Irgendwo in Iowa. Doch Sara lässt sich nicht unterkriegen und eröffnet mit Amys Sammlung eine Buchhandlung. Und sie erfindet neue Kategorien, um den verschlafenen Ort für Bücher zu begeistern: »Keine unnötigen Wörter«, »Für Freitagabende«, »Gemütliche Sonntage im Bett«. Ihre Empfehlungen sind so skurril und liebenswert wie die Einwohner selbst. Und allmählich beginnen die Menschen aus Broken Wheel zu lesen – während Sara erkennt, dass es noch etwas anderes im Leben gibt außer Büchern.” (Quelle: btb)

Mein Eindruck

Sara ist das typische Abbild eines Buchnerds – ihre Liebe zu Büchern lässt sie den ganzen Tag in ihnen schwelgen. Dementsprechend sehen auch ihre sozialen Kompetenzen aus. Die einzige Person, die sie zu verstehen scheint, ist die 65 jährige Amerikanerin Amy, mit der Sara eine Brieffreundschaft pflegt. Mit ihr kann sie sich ausgelassen über Bücher unterhalten, ohne mit einem Kopfschütteln bedacht zu werden. Als sie ihren Job verliert, lädt Amy Sara ein, sie für 2 Monate in den USA zu besuchen. Doch Amy taucht nicht an der vereinbarten Stelle auf um Sara abzuholen. Schon bald erfährt Sara, dass Amy seit zwei Tagen tot ist und für Sara etwas ganz Besonderes vorhatte.

“Wenn ihr Leben ein Buch gewesen wäre, hätte sie darin nicht einmal eine Nebenrolle gespielt. Und eine Nebenrolle war eigentlich alles, was sie wollte.” (S.40)

“Ein Buchladen zum Verlieben” ist der Debütroman von Katarina Bivald, einer gebürtigen Schwedin. Sie gibt an, zwar nie in den USA gewesen zu sein, aber dort, durch die vielen Geschichten in ihren Büchern, aufgewachsen zu sein. Allein an dieser Aussage wird ziemlich deutlich, dass die Autorin die Gabe hat, viel Bedeutung in wenig Satz zu packen. Sei es in den Gedanken von Sara oder in den Briefen von Amy. Dieses Buch ist voller Weisheiten und toller Zitate. Den Schreibstil empfand ich allerdings als holprig und hatte meine Probleme damit klarzukommen. Bis zu den letzten Seiten konnte ich mich nicht daran gewöhnen und fand dementsprechend nie einen richtigen Einstieg in die Handlung. Es vergehen gut 200 Seiten bevor endlich das Gefühl entsteht, dass etwas Schwung in die Sache kommt. Der Roman wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Anfangs wird viel aus Saras Sicht erzählt, was jedoch immer mehr abnimmt und dazu führt, dass Nebenfiguren die Geschichte aus ihrem Blickwinkel erzählen. Zwischen den Kapiteln erzählt Amy in ihren Briefen an Sara von ihrem Dorf, den einzelnen Bewohnern und auch etwas über sich. Zu Beginn drehen sich die Briefe viel um ihre liebsten Bücher und Empfehlung an Sara. Es wird allerdings schnell privater und voll von schönen Lebensweisheiten. Es ist sehr schade, dass niemals Saras Antworten gezeigt werden, denn diese würden das ganze Bild abrunden und dem Leser eventuell Saras Charakter näherbringen.

“Sie erkannte keines der Sternbilder hier, was sie als Befreiung empfand. Es war tragisch, dass Menschen dermaßen von Mustern besessen waren, dass sie sogar versuchten, sie den Sternen aufzuzwingen.” (S.110)

Sara ist einer der für mich am wenigsten authentischsten Charaktere, dem ich jemals in einem Buch begegnet bin. Es war bisher wirklich selten der Fall, dass ich über einen Hauptcharakter so wenig erzählen konnte wie jetzt. Im Gegensatz zu den wirklich einzigartigen Nebenfiguren im Roman erscheint Sara wie eine Figur, die mit zu wenig Tinte gezeichnet worden ist. Unvollständig und unscheinbar. Als Leserin kam ich nicht wirklich hinter ihre Denkweise und kann sie mir einfach nicht richtig erklären. Das führte oft dazu, dass ich ihre Handlungen nicht nachvollziehen konnte und sie dementsprechend immer weiter aus dem Fokus meines Interesses rückte. Im Endeffekt interessierte mich nach der Hälfte des Buches nicht mehr, was mit ihr geschah, sondern eher was aus den Nebenfiguren werden würde. Ich finde es etwas traurig, dass die Hauptperson dermaßen von den Nebenpersonen ausgestochen wird und somit in den Hintergrund rückt. Zwar sagte Sara in einem Zitat, dass sie in ihrer Geschichte lieber eine Nebenfigur als eine Hauptfigur sein wollte, aber dass sie es im Endeffekt auch geworden ist, finde ich sehr betrübend. Meine absolute Lieblingsfigur in diesem Roman war George. Ein etwas älterer Mann, der Sara aufgrund ihres nicht vorhandenen Führerscheins, herumchauffiert. Er durchlebte in seinem Leben viele schwierige Phasen und wurde dadurch zu einer gebrochenen Person. Dank Sara findet er jedoch wieder etwas Lebensmut und blüht im Verlauf des Romans regelrecht auf. Diese Entwicklung mit anzusehen war eines der schönsten Dinge an diesem Buch.

“Bestimmte Gruppen scheinen nur zu existieren, um die wirkliche Person, die, die wir instinktiv sehen, stärker hervortreten zu lassen.” (S.164)

Die Autorin schafft es, eine anfangs noch glaubhafte und ruhige Geschichte, nach und nach in etwas Hektisches und Unglaubwürdiges zu verwandeln. Dieser Umstand hat meiner Meinung nach viel an diesem Buch kaputtgemacht. Auch die Buchthematik rückt immer mehr in den Hintergrund.

Fazit

Mich konnte dieses Buch leider nicht überzeugen und ich war froh, als ich es endlich beendet hatte. Eine mir unsympathische Protagonistin, die in ihrem eigenen Buch von den Nebencharakteren ausgestochen wird und meiner Meinung nach keine wirklich Entwicklung macht. Einzig und allein die tollen Zitate konnten die Bewertung retten.

Vielen Dank an lovelybooks und dem btb Verlag für die Bereitsstellung dieses Exemplars!

Original Titel: Läsarna i Broken Wheel rekommenderar | Verlag: btb | Übersetzer: Gabriele Haefs
Format: Taschenbuch | Seitenanzahl: 672 | ISBN:  9783442713929 | Erscheinungsdatum: 06.2016

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