Einfach unvergesslich – Rowan Coleman

von Deborah von mirgetreu
Einfach unvergesslich

Klappentext

“Neuerdings weiß Claire nicht mehr, welcher Schuh zu welchem Fuß gehört. Oder wie das orangefarbene Gemüse im Kochtopf heißt. Doch das Leben ist zu kurz, um Trübsal zu blasen. Und so schreibt sie, noch bevor die letzte Erinnerung verblasst, all die Glücksmomente der vergangenen Jahre nieder. Wohl wissend, dass diese Gedanken bald das Einzige sein werden, was ihrer Familie von ihr bleibt. Dabei gibt es noch viel zu erledigen: Sie muss ihrem Mann zeigen, wie sie die Lieblingslasagne ihrer Kinder zubereitet. Sie muss ein letztes Mal leben, sich vielleicht auch neu verlieben. Denn wenn die Zeit davonrennt, ist jede Minute kostbar.” (Quelle: Piper)

Mein Eindruck

„Einfach unvergesslich“ von Rowan Coleman macht seinem Namen alle Ehre. Dieses Buch ist wirklich ein unvergessliches Stück Literatur, dass einem eine schwere Krankheit in Gänsehaut erzeugender Atmosphäre näher bringt. Claire ist Anfang 40 und hat von ihrem Vater eine Frühform der Alzheimer Demenz geerbt. Diese grausame Krankheit raubt ihr nach und nach ihre Erinnerungen. Die an ihre Kinder Caitlin und Esther, an ihren Mann Greg den sie nicht mehr wieder erkennt, oder wie der ein oder andere Gegenstand heißt. Sie ist in dieser Situation jedoch nicht auf sich allein gestellt, denn ihre Mutter Ruth zieht bei ihr ein und auch ihre älteste Tochter Caitlin versucht sie so gut wie möglich zu unterstützen. Für die unabhängige, lebensfrohe Claire brechen immer mehr Stücke ihrer altbekannten Welt weg und sie fragt sich nicht nur einmal:”Warum ich?”. Um ihr zu helfen, arbeiten sie und die ganze Familie an einem Erinnerungsbuch, in dem alle tollen und positiven Momente Claires Leben festgehalten werden. Sei es die Geburt ihrer jüngsten Tochter, besondere Gegenstände, die sie mit Erinnerungen verbunden hat oder die Geständnisse einer Mutter an ihre Tochter.

„Aber vielleicht nehme ich das alles viel zu persönlich. Vielleicht handelt es sich nur um eine Reihe genealogischer Unfälle über die letzten Jahrtausende, aufgrund derer ich jetzt hier sitze und auserwählt bin, die Konsequenzen zu tragen.“ (S. 28)

Dank Rowan Colemans einfühlsamen und sanften Schreibstil wirkte diese Geschichte niemals als müsste man zwanghaft die Geschichte einer Kranken erzählen. Es ist eher so, als würde man mit einer liebensvollen Frau durch ihr Leben gehen und versuchen ihre wirren Gedanken nachzuvollziehen. Man begleitet neben Tochter Caitlin, hauptsächlich Claire durch ihre unvollständige Welt und bekommt hautnah mit, wie es ist, wenn man Blumen nur noch „Duftdinger“ nennt, weil man die richtige Bezeichnung dafür vergessen hat. Oder wie sehr man als Mutter leidet, wenn man den Namen des eigenen Kindes nicht mehr kennt. Trotz allem verliert sie ihren Humor nicht und wird von ihren Mitmenschen geschockt angesehen, wenn sie mal wieder Wortwitze über ihre Krankheit reißt. An keiner Stelle hatte ich das Gefühl, dass sie sich selbst bemitleiden würde. Sie weiß durch die Erkrankung ihres Vaters, wie ihr Schicksal aussieht, und sieht diesem mit wackligen Beinen entgegen. Caitlin hingegen hat als 20-jährige Studentin ganz andere Probleme, kümmert sich jedoch hingebungsvoll um ihre kranke Mutter. Sie hat Verständnis dafür, dass ihre Mutter nicht mehr die gleiche ist, wie vor ihrer Krankheit und entwickelt sich dadurch auch selbst weiter.

„Mutter zu sein bedeutet, seine Kinder vor allem zu beschützen, was sie möglicherweise verletzten könnte. Es bedeutet aber auch, ihnen zu vertrauen, dass sie ihren eigenen Weg finden und meistern. Und darauf zu vertrauen, dass sie es auch dann schaffen können, wenn man nicht da ist, um ihre Hand zu halten“. (S. 169)

Dieses Buch hat einige meiner Tränen gefordert und mich tief berührt, da ich die Vorstellung daran, alle meine wichtigen und geliebten Erinnerungen zu vergessen, wirklich schrecklich finde. Dass Claire, trotz des Wissens, dass die Krankheit nicht aufgehalten werden kann und sie irgendwann vergessen wird zu atmen, nicht aufhören möchte ihr Leben zu leben, finde ich bewundernswert. Es ist wirklich interessant, den Verlauf ihres Lebens reflektiert zu bekommen und es entsteht an keiner Stelle das Gefühl von Langatmigkeit. Im Gegenteil. Ich war so beeindruckt von dieser Persönlichkeit, dass mich nicht nur ihr bisheriger Weg, sondern auch ihre Zukunft brennend interessierte. Dennoch ist dies kein todtrauriges Buch, das einen deprimiert zurücklässt, sondern eher dankbar für das, was man hat

Fazit

Ein unvergesslicher Roman, der mich immer daran erinnern wird, wie kostbar unsere Erinnerungen sind und wie wertvoll ein gesunder Geist ist. Unbedingte Leseempfehlung!

Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitsstellung dieses Exemplars!

Original Titel: The Memory Book | Verlag: Piper | Format: Softcover | Seitenanzahl: 416 | ISBN: 978-3-492-96764-8
Erscheinungsdatum: 08.2014

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