Gut gegen Nordwind – Daniel Glattauer

von Deborah von mirgetreu
Guten gegen Nordwind

Klappentext

„Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?“ (Quelle: Goldmann Verlag)

Mein Eindruck

„Gut gegen Nordwind“ ist der erste Roman den ich von Daniel Glattauer gelesen habe. Ich entdeckte es ganz zufällig, versteckt in einem Büchertauschregal und da ich schon so viel davon gehört hatte, nahm ich es mit. Schon im Auto machte es mich neugierig und ich las probeweise die ersten paar Seiten. Ab diesem Zeitpunkt war es um mich geschehen, denn ich konnte es die darauf folgenden zwei Stunden nicht mehr aus der Hand legen! Der Roman, der ausschließlich aus E-Mails besteht, behält einen, durch den lockeren und flüssigen Schreibstil, durchweg in seinem Bann. Der witzige, geistreiche und niveauvolle E-Mail Austausch zwischen Leo und Emma lassen einen nicht mehr los und die Spannung steigt ins Unermessliche. Auch wenn dieser Roman nur aus E-Mails besteht, büßt er in keinster Weise Authentizität ein, sondern regt dadurch die Fantasie noch mehr an. Der anfangs noch sehr förmliche E-Mail Austausch wird zusehens vertrauter und gefühlvoller. Auch Emma und Leo sehen nach einiger Zeit mehr in diesem virtuellen Kontakt als eine normale Freundschaft.

„Nähe ist nicht die Unterbrechung von Distanz, sondern ihre Überwindung. Spannung ist nicht der Mangel an Vollkommenem, sondern das stete Zusteuern darauf und das wiederholte Festhalten daran.“ (S. 106)

Emma, deren Alter erst gegen Ende des Buches verraten wird, ist glücklich verheiratet und erstellt beruflich Webseiten. Anfangs wirkt sie noch sehr selbstbewusst und strahlt die Autorität einer erfolgreichen Geschäftsfrau aus. Dies ändert sich jedoch zunehmend, während die Konversation mit Leo persönlicher wird und sie dadurch einen Teil ihrer harten Schale ablegt. In Leo entdeckt sie einen wahren Freund, bei dem sie, ohne ihn jemals gesehen zu haben, abschalten und sie selbst sein kann. Obwohl sie immer wieder ihre glückliche Ehe erwähnt, verfällt sie öfters einem Kontrollzwang und ihrer erotischen Ader. Dies wird mit der Zeit oftmals etwas nervig, da sie als vergebene Frau Ansprüche an Single Leo stellt, ohne diesen selbst gerecht zu werden. Ab und an hatte ich bei ihr sogar das Gefühl, das sie etwas krankhaft Eifersüchtiges an sich hatte.

„Im Nachhinein erlebt man oft Möglichkeiten, die von vornherein niemals welche gewesen wären.“ (S. 214)

Auch Leos Alter bleibt bis fast zum Schluss ein Geheimnis, dennoch gibt er mehr von sich Preis, als Emma es jemals getan hat. Er arbeitet an einer Universität in der Sprachforschung und ist ein locker lässiger Typ Mann. Seine E-Mails strotzen im Gegensatz zu der quirligen Emma nur so vor Ruhe und Reife. Er wird sich im Gegensatz zu Emma, viel schneller seiner Gefühle zu seiner „persönlichen imaginären“ Emma bewusst und lässt dies, wenn er etwas zu tief ins Glas geschaut hat, durchscheinen. Während dem Lesen stellte ich mir immer wieder die Frage: „Wann treffen sie sich denn endlich?“. Aber genau wie beide Charaktere, hätte auch ich meine Bedenken dabei. Was ist, wenn man sich mit der Person, die man trifft, überhaupt nicht im „wahren Leben“ verstehen würde. Wenn die ganze Magie plötzlich verschwunden wäre und man sich schweigend gegenübersitzen würde?

Fazit

Ein toller, kurzweiliger Roman. Gott sei Dank ist bereits der zweite Band erschienen, denn ich kann es nach dem offenen Ende kaum erwarten zu lesen, wie es mit Emma und Leo weitergeht. Klare Empfehlung für diejenigen unter euch, die mal etwas „anderes“ lesen wollen als eine Standard Liebesgeschichte.

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