Libellensommer – Antje Babendererde

von Deborah von mirgetreu
Libellensommer

Klappentext

„An einer Tankstelle am Highway begegnet Jodie dem jungen Indianer Jay zum ersten Mal. Ein paar Tage später ist sie mit ihm auf einer Reise, die ihr Leben verändern wird. Die beiden erleben einen Sommer voller Liebe und Magie fernab von jeder Zivilisation inmitten der kanadischen Wildnis – und bald steht Jodie vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens.“ (Quelle: Arena Verlag)

Mein Eindruck

Als der Vater der 15-jährigen Jodie seinen Job verliert, stürzt die Familie in ein tiefes Loch. Die Geldsorgen und der Alkoholkonsum des arbeitslosen Vaters führen zu täglichen Auseinandersetzungen der Eltern. Als ihr Vater eines Tages seine Sachen packt und die Mutter Jodies Laptop aus Geldnöten verkauft, beschließt sie von Daheim wegzurennen und bei ihrem 1000km entfernten Internetfreund unterzukommen. Per Anhalter kommt sie ihrem Ziel Stück für Stück näher, bis sie an jemanden gerät, der ihre Situation ausnutzt und es fast schafft sie zu vergewaltigen. In letzter Minute wird sie von einem jungen Indianer gerettet, der sie auf das Abenteuer ihres Lebens mitnimmt.

„Heute frage ich mich, wie viel wir von unserem Leben beeinflussen können und was vorherbestimmt ist. Eines weiß ich jedoch sicher: Es geschehen immer wieder Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat. Und dann bleibt einem nichts anderes übrig, als einen Weg zu finden, um damit fertig zu werden.“ (S.7)

„Libellensommer“ war der erste Roman den ich von Antje Babendererde gelesen habe. Dementsprechend war ich wirklich neugierig, ob die Lobeshymnen gerechtfertigt sind und ob sie es schafft mich zu packen: Eines vorweg – und wie sie das hat! Dieses, mit 272 doch relativ kurze Lesevergnügen, habe ich innerhalb weniger Stunden regelrecht verschlungen. Ich wusste trotz Klappentext nicht, was mich erwarten würde und wurde daher fast überfallen von der Spannung, der interessanten Indianerkultur und dieser sanftmütigen Liebesgeschichte. Als ich die letzte Seite umschlug, wurde ich geradezu traurig, da sich noch so viele unbeantwortete Fragen in meinem Hinterkopf tummelten und ich mich noch nicht von den lieb gewonnenen Charakteren verabschieden wollte. Der Reiz, der dieses Buch für mich erst zu etwas Besonderem gemacht hat, war die unglaublich interessante Kultur der Indianer. Es war überaus spannend, wie sich eine „Weiße“ dort einfinden und welche Schwierigkeiten ihre Anwesenheit verursachen würde. Ich habe mich ehrlich gesagt noch nie sonderlich für die Indianerkultur interessiert und wurde durch Babendererdes einnehmenden Schreibstil dennoch sofort mitten in ein Indianercamp befördert und wäre am liebsten für immer dort geblieben. Es ist beachtlich wie viel von der Liebe zur Natur, der Achtung vor dem Tierreich und der sanften Art der Indianer aus den Seiten strömt.

„Es braucht lange, um jemanden wirklich kennen zu lernen. Und bei Menschen, die verletzt worden sind, ob nun äußerlich oder tief in ihrem Inneren, ist es besonders schwer. […] Doch ist es einem erst gelungen, wird man nicht enttäuscht sein, denn es gibt viel Schönes zu entdecken.“ (S.193)

Jodie befindet sich in der Phase ihres Lebens, in der sie selbst noch nicht richtig weiß, was sie von sich und ihrem Leben halten soll. Sie findet sich zu dick und ist auch sonst mit ihrem Äußeren sehr unzufrieden. Durch die angespannte Familiensituation sehnt sich die tagträumende Teenagerin nach einem Abenteuer, in dem sie von ihrem Internetschwarm gerettet wird. Dass sie in der Realität jedoch von einem Indianer gerettet wird, hätte sie sich niemals träumen lassen. Der 17-jährige Jay ist jedoch alles andere als begeistert, dass er nun eine „Weiße“ an der Backe hat. Schließlich nimmt er sie aus Zeitgründen tief in die Wildnis zu dem Indianercamp, in dem der lebt. Schon bald lernt Jodie worauf es wirklich im Leben ankommt und möchte eigentlich nie wieder in ihr früheres Leben zurück.

Fazit

Dieser Roman ist ein wirklich toller Coming-to-age Roman, der nicht nur Teenager berührt, sondern auch Erwachsenen den Horizont auf wunderbare Weise erweitert. Eine interessante Kultur voller Liebe und Respekt vor der Natur und dem Tierreich, von der jeder noch etwas lernen kann.

Original Titel: Libellensommer | Verlag: Arena | Format: Hardcover | Seitenanzahl: 272 | ISBN: 978-3401058818
Erscheinungsdatum: 06.2006

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