Margos Spuren – John Green

von Deborah von mirgetreu
Margos Spuren

Klappentext

„Margo ist Quentins große Liebe – und wird sein größtes Mysterium. John Greens Roadmovie ist eine Spurensuche auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Schon als kleiner Junge war Quentin in die schöne, impulsive Margo verliebt – und schon damals war sie ihm ein Rätsel: Niemand konnte so mutig und entschlossen sein wie sie, niemand wirkte so unnahbar. Nachdem Quentin Margo bei einem nächtlichen Rachefeldzug geholfen hat, verschwindet diese urplötzlich und hinterlässt geheimnisvolle Spuren. Quentin ist verwirrt: Sind die Spuren für ihn? Soll er die Suche aufnehmen? Doch dann verfolgt er jeden Hinweis und befindet sich plötzlich auf einer Reise voller Abenteuer, irgendwo zwischen Roadmovie, Detektiv- und Liebesgeschichte.“ (Quelle: Hanser Verlag)

Mein Eindruck

Quentin lebt das typische Leben eines schüchternen jungen Amerikaners. Außer zur Schule zu gehen und Videospiele zu spielen, ist sein Leben eher durchschnittlich. Ganz im Gegenteil zu Margo. Margo Roth Spiegelmann ist DIE Königin der Schule. Dabei trifft sie nicht mal das Klischee einer Highschooldiva, sondern schafft es allein durch ihre spezielle, kühle Art Streichen und Ungerechtigkeiten Einhalt zu gebieten. Obwohl Quentin und Margo Nachbarn sind und als Kinder zusammen gespielt haben, verbindet die beiden nichts mehr. Bis Margo eines Nachts an Quentins Fenster steht und ihn dazu überredet mit ihr auf einen Rachefeldzug zu gehen. Doch nach dieser Nacht verschwindet Margo und hinterlässt Quentin geheimnisvolle Hinweise über ihren Aufenthaltsort.

„Ich habe nie verstanden, warum man mit jemand zusammen sein will, nur weil er gut aussieht. Das ist doch, als würdest du dir die Cornflakes nach der Farbe aussuchen und nicht nach dem Geschmack.“ (S.45)

John Green dürfte den meisten von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ bekannt sein. Mir persönlich ist er vor allem durch seine poetisch tiefgründigen Gedankengängen im Gedächtnis geblieben. Auch in „Margos Spuren“ konnte ich allein in den ersten 50 Seiten einige wirklich tolle Stellen markieren, die einen Freundschaft aus einem ganz anderen, unerwarteten Blickwinkel betrachten lassen. Winkel, auf die man niemals selbst kommen würde, selbst wenn man das Buch drehen, auf den Kopf stellen, wenden und alle Buchstaben vermischen würde. Der Einstieg gestaltete sich spielerisch leicht, denn vor dem ersten Kapitel erwartet einen ein einladendes, spannendes und vor allem sehr sympathisches Vorwort von Quentin. Danach geht es sofort rasant weiter und man begleitet Quentins Gedankenwelt, die vor allem von einer Person regelrecht beherrscht wird: Margo Roth Spiegelmann.

„Wir brechen ja kein Schloss auf oder so was. Sieh es nicht als Einbruch im engeren Sinn. Stell dir einfach vor, wir hätten Freikarten, nur eben mitten in der Nacht.“ (S. 77)

Dieses Buch ist vieles, aber vor allem ein einziges Auf und Ab des Spannungsbogens. Obwohl sich der Einstieg wirklich gut liest, lässt es bereits nach gut 100 Seiten nach. Es wird ziemlich schnell langweilig und man lechzt förmlich nach einem Hinweis, um Quentin (und einem selbst) das Leben etwas erträglicher zu machen. Darauf folgt wieder ein spannender Absatz, der einen richtig mit Quentin und seinen Freunden mitfiebern lässt, nur um wieder in einer zähen und trostlosen Passage zu enden. Es zieht und zieht sich, bis es schließlich im dritten Teil des Buches zu einem unerwarteten Ende kommt, das so nicht jedem gefallen wird. Immerhin durfte ich davor nochmal herzlich lachen. Was mich an diesem Buch unglaublich gestört hat, war Quentins Besessenheit von Margo. Ich hatte ständig das Gefühl, dass er alles für sie getan hätte und auch sofort – hätte sie es von ihm verlangt – von einer Klippe gesprungen wäre. Ständig diese Passagen, wie toll Margo ist, oder wie kaputt, oder was für eine einzigartige Frau das ist – super nervig! Diese Verherrlichung und das „reingesteigere“ in die Situation war mir einfach zu viel, weswegen meine Sympathie für Quentin Seite für Seite weiter sank. Von Margo ganz zu schweigen. Anfangs noch eine interessante Person, später nur noch ein nerviges Gör. Toll hingegen fand ich Quentins Freund Radar, der mit seiner nerdigen Art wirklich einiges im Buch gerettet hat.

Die Einbindung von Walt Whitmans Gedichtband „Grashalme“, aus dem mehrere Passagen im Buch ihren Platz finden, hat gut in die Stimmung des Buchs gepasst und wurden interessant interpretiert. Für diesen Aspekt gab es von mir eindeutig Pluspunkte, die so schließlich die Bewertung des Buchs etwas retteten.

Fazit

Ein Jugendbuch mit Stärken und Schwächen, das mich leider nicht ganz von sich überzeugen konnte. Es gibt einige Längen, die sich mit spannenden Szenen abwechseln und mich dadurch zu Lesepausen zwangen. Immerhin gefiel mir die Grundidee, die mich manchmal mit Gänsehaut mitfiebern ließ, die interessanten Gedankengänge und ungewöhnliche Sichten auf Dinge. Da ich auch schon „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ keine volle Punktzahl geben konnte, gehe ich davon aus, dass John Greens Werke und ich einfach niemals beste Freunde werden.

Vielen Dank an Lotta für die dazugehörige Leserunde und den Hanser Verlag für die Bereitstellung dieses Exemplars!

Original Titel: Paper Towns | Verlag: Hanser Verlag | Übersetzerin: Sophie Zeitz | Format: Hardcover
Seitenanzahl: 336 | ISBN: 978-3-446-24954-7 | Erscheinungsdatum: 27.07.2015

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