Mein Herz zwischen den Zeilen – Jodi Picoult

von Deborah von mirgetreu
Mein Herz zwischen den Zeilen

Klappentext

„»Hilf mir« – Deliah kann es kaum fassen, als sie diese Nachricht in ihrem Lieblingsbuch findet. Offensichtlich hat Oliver, der umwerfend gut aussehende Prinz der Geschichte, die Bitte speziell für sie hinterlassen. Und tatsächlich: Schnell stellen die beiden fest, dass sie über die Grenzen der Buchseiten hinweg miteinander sprechen können. Doch das reicht ihnen schon bald nicht mehr aus. Oliver ist schon lange genervt von seinem Märchen, das er immer wieder durchspielen muss, sobald ein Leser das Buch aufschlägt. Und er findet Gefallen an Deliah, die so anders ist als die langweilige Prinzessin Seraphima, die er sonst immer küssen muss. Da ist es doch klar, dass er endlich zu ihr will! Und Deliah: Die hat sich längst Hals über Kopf in ihren Märchenprinzen verliebt. Und ist begeistert von der Idee, Oliver aus dem Buch herauszuholen. Doch wie können die beiden es schaffen, die Grenzen zwischen ihren so unterschiedlichen Welten zu überwinden?“ (Quelle: Boje Verlag)

Mein Eindruck

Es war einmal ein Prinz, der alles besaß außer Mut. Und so wurde es zu einem schwierigen Unterfangen, als eines Tages ein alter Mann am Hof auftauchte und den Prinzen anflehte, Prinzessin Seraphima zu retten, die von einem bösen Mann entführt wurde. Doch Prinz Oliver gibt nicht auf und stellt sich seinen Ängsten für die große Liebe…. Oder so ähnlich würde es normalerweise ablaufen, wäre dies ein normales Märchen. Doch Oliver ist genervt. Schließlich müssen alle Darsteller dieses Märchen jedes Mal von Neuem spielen, wenn ein Leser das Buch aufschlägt. Mit diesem Schicksal scheinen sich alle zufriedenzugeben, außer Oliver, der von der Welt der Leser immer so viel mitbekommt und auch dazugehören möchte. Als eines Tages Delilah das Märchenbuch aus der Schulbibliothek ausleiht, staunt sie nicht schlecht, als sich die Illustration des Prinzen plötzlich bewegt und anfängt mit ihr zu sprechen…

„Angst zu haben heißt nur, dass man etwas hat, weshalb es sicht lohnt zurückzukehren.“ (S.18)

Dieses Büchlein ist ein wahrer Schatz. Als großer Märchenfan war ich von der Grundidee natürlich begeistert. Eine Märchengeschichte, in der sich die Hauptfigur in eine Leserin verliebt und mit ihrer Hilfe versuchen möchte, aus dem Buch zu entkommen? Genial. Auch der Gedanke, dass jedes Mal wenn man das Buch wieder zuschlägt, die Charaktere ein Eigenleben entwickeln und aus Freund und Feind einfach nur Kollegen werden die, um die Langeweile zu vertreiben Schach spielen. Oder der Bösewicht, der in seiner „Freizeit“ eigentlich ein passionierter Maler und Schmetterlingssammler ist. Alles Komponenten, über die man sich als Leser eigentlich nie Gedanken macht. So auch die 15 Jährige Delilah, die zu anfangs Trost in dem Märchenbuch sucht, da sie, genau wie Prinz Oliver ohne Vater aufwachsen muss. Malerisch und märchenhaft wird uns die Geschichte rund um den Prinzen, der dem Märchenbuch entfliehen will, um endlich mit seiner wahren Prinzessin Delilah zusammen zu sein, aus drei verschiedenen Perspektiven berichtet. Zum einen wäre da das ursprüngliche Märchen, das von den Schauspielern, wie sie sich nennen, ordnungsgemäß, wie die Autorin es geschrieben hat, gespielt wird. Dass Oliver die eigentlich strohdumme Seraphima gar nicht ausstehen kann und sich nicht lieber wünscht, als ein freies Leben zu haben, erzählt er in eigenen Passagen. Ebenso eine Sicht Delilahs, die in „unserer“ Welt lebt und ein normales Teenageraußenseiterleben führt. Diese drei Erzählstränge wechseln sich ab und werden immer wieder von wunderschönen Illustrationen geschmückt. Sei es kleine Figürchen auf den Seiten oder einer ganzseitigen Märchenbuchillustration.

„Ich würde alles dafür tun, damit mich ein Leser als der sehen könnte, der ich bin, und nicht als der, dessen Rolle ich spiele. Ich würde mir die Seele aus dem Leib schreien. Ich würde im Kreis herum laufen. Mich in eine lebende Fackel verwandeln. Alles, nur damit man mich sieht.“ (S.27)

Dadurch, dass dies eher ein Buch für jüngere Leser ist, kann man eine gewisse Tiefe natürlich nicht erwarten. Die Charaktere bleiben, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, auch eher blass und unscheinbar. Generell wird alles doch sehr oberflächlich behandelt, was dem Lesevergnügen natürlich keinem Abbruch tut. Schließlich stehen hier diese spezielle Idee und die Umsetzung im Vordergrund.

Fazit

Ein tolles, liebevoll gestaltetes Buch, das nicht nur jüngere Leser anspricht. Für Märchenliebhaber auf jeden Fall ein kleiner Schatz, der mit seinen tollen Illustrationen einfach punkten kann. Keine tiefgründige Geschichte erwarten, sondern eher etwas Bezauberndes für zwischendurch.

Original Titel: Between the Lines| Verlag: Boje Verlag | Format: Hardcover | Seitenanzahl: 286
ISBN: 978-3-414-82365-6 | Erscheinungsdatum: 07.2013

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