Rot wie das Meer – Maggie Stiefvater

von Deborah von mirgetreu
Rot wie das Meer

Klappentext

„Jedes Jahr im November wird die Insel Thisby von Capaill Uisce heimgesucht, Meereswesen, die in Gestalt wunderschöner Pferde Tod und Verderben bringen. Schnell wie der Seewind und tückisch wie das Meer, ziehen sie die Menschen in ihren Bann. Wie viele junge Männer der Insel fiebert auch Sean Kendrick dem Skorpio-Rennen entgegen, bei dem sie auf Capaill Uisce gegeneinander antreten. Nicht wenige bezahlen dafür mit ihrem Leben. Das diesjährige Rennen aber wird sein wie keines zuvor: Als erste Frau wagt Puck Connolly, sich einen Platz in dieser Männerwelt zu erkämpfen. Sie gewinnt den Respekt von Sean Kendrick, der ihr anfangs widerwillig, dann selbstlos hilft. Schließlich fällt der Startschuss und auch diesmal erreichen viele Reiter nicht das Ziel. Ihr Blut und das ihrer Capaill Uisce färben die Wellen des Meeres rot …“ (Quelle: Script 5)

Mein Eindruck

Kate Connolly – auch Puck genannt – und Sean Kendrick leben beide auf Thisby, einer kleinen Insel mit einer Besonderheit: Nur an die Stränden Thisbys steigen die brutalen und gefährlichen Capaill Uisce – mystische Wasserpferde – aus dem Meer und suchen nach ihrem nächsten Opfer. Wenige Männer schaffen es, die wilden Geschöpfe einzufangen und darauf ein ganz besonderes Pferderennen zu bestreiten. Das berühmte Rennen findet jeden ersten November statt und fordert sowohl beim Training davor, als auch beim eigentlichen Ereignis immer zahlreiche Todesopfer – denn die Wasserpferde sind nicht mit normalen Pferden vergleichbar. Sean verlor bei einem solchen Rennen seinen Vater und arbeitet nun als Stallbursche auf einem großen Hof. Sein ganzer Stolz ist sein Capaill Uisce Corr und sein Ziel ist es auch in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge das große Rennen zu gewinnen. Denn dieses Mal geht es um mehr, als nur das hohe Preisgeld. Puck hat ganz andere Sorgen. Ihre Eltern wurden von Capaill Uisce getötet und nun kämpft sie mit ihren zwei Brüdern jeden Tag ums Überleben. Als ihr großer Bruder von der Insel wegziehen und auf dem Festland arbeiten möchte, fasst Puck einen Entschluss: Sie muss das große Rennen gewinnen, um ihren Bruder davon zu überzeugen noch etwas auf der Insel zu bleiben. Das größte Problem ist jedoch, dass sie große Angst vor den Capaill Uisce hat und somit viel lieber mit ihrem Pony Dove beim Rennen antreten möchte…

Rot wie das Meer

Maggie Stiefvater ist für ihre fantastischen Geschichten bekannt. „Rot wie das Meer“ ist jedoch die Erste, die ich von ihr lese. Oftmals wurde mir gesagt, dass ihre Geschichten kitschig seien, wodurch ich immer etwas Abstand genommen habe, bis ich einfach nicht mehr anders konnte und zu diesem wunderschönen Buch greifen musste. Von Kitsch ist in diesem Buch nichts zu finden, auch die Liebesgeschichte ist wunderbar ungezwungen und fast schon ein wenig oberflächlich. In diesem Buch geht es um die Liebe. Um die Liebe zum Meer, zu den einzigartigen Kreaturen des Wassers und die Liebe zu einem ganz besonderen Menschen. Diese drei Aspekte machen dieses Buch im Wesentlichen aus, denn man spürt diese Liebe auf jeder Seite, in jeder Berührung, in jedem Atemzug auf den Klippen Thisbys. Man meint gar den Wind zu spüren, der am Strand oder hoch oben an den Hügeln weht und kann das Wiehern, Schnaufen und Zittern Corrs und Doves bei jedem Umblättern erahnen. Es hat mir wirklich sehr gefallen, wie tief mich das Buch für sich eingenommen hat und wie sehr mich die Geschichte um die mystischen Wasserpferde in ihren Bann gezogen hat. Und das, obwohl ich kein sonderlich großer Fan von Pferden bin.

„Ich glaube, eine barmherzige Eigenschaft dieser Insel ist es, dass sie uns unsere böse Erinnerungen früh wieder nimmt, uns dafür aber die guten lässt, solange wir wollen.“ (S. 329)

Mystische Geschöpfe in eine Geschichte einzuflechten, die realistisch wirken soll, finde ich immer besonders schwierig. Schließlich soll es auf einer gewissen Ebene auch glaubhaft sein. Das ist Maggie Stiefvater ganz wunderbar gelungen. Man könnte fast meinen, dass Capaill Uisce wirklich existieren und man beim nächsten Seegang nach Pferdeköpfen und -schweifen Ausschau halten sollte. Auch die Charaktere sind interessant. Aber obwohl Puck und Sean auf einer Ebene stehen sollten, sticht Puck dennoch ganz klar heraus. Zunächst wirkt sie wie ein vorlautes, naives Mädchen – dieser Eindruck wird aber im Laufe des Buches kräftig revidiert. Mit jedem Pferdetraining, wird auch sie charakterlich etwas stärker. Sean ist nicht ganz so interessant und bleibt meist hinter seiner unnahbaren Maske versteckt. Auch die Liebesgeschichte, auf der der Fokus bei diesem Buch aber nunmal nicht liegt, hätte für meinen Geschmack etwas präsenter sein können. So blieb mir das Ganze doch zu sehr im Hintergrund. Sehr schade.

Fazit

Ein wunderbares Jugendbuch, das einen den salzigen Geruch des Meeres und das Geräusch von galoppierenden Hufen auf Sand fast hautnah erleben lassen. Eine zarte Liebesgeschichte, die ruhig noch etwas kräftiger hätte sein können, rundet das Bild ab. Schön für ruhige Wochenenden!

Original Titel: The Scorpio Races | Verlag: Script5 | Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Seitenanzahl: 432 | ISBN: 978-3-8390-0147-9 | Erscheinungsdatum: 11.2012

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