Sie ging nie zurück – Emma Brockes

von Deborah von mirgetreu
Sie ging nie zurück

Klappentext

»Eines Tages erzähle ich dir die Geschichte meines Lebens, da wirst du staunen …« Das sagt Paula zu ihrer zehnjährigen Tochter Emma, doch der Tag, an dem sie ihr alles erzählt, kommt nie. Emma hört Geschichten vom südafrikanischen Busch, von sieben Geschwistern, tödlichen Schlangenbissen und Hagelkörnern groß wie Golfbällen. Und einmal ist die Rede von einem Gerichtsprozess und der Waffe, mit der Paula ihren gewalttätigen Vater erschießen wollte. Aber etwas Wesentliches fehlt, das wird Emma erst nach dem Tod ihrer Mutter bewusst. Emma versucht, mehr über die Vergangenheit ihrer Familie in Erfahrung zu bringen. Sie reist nach Johannesburg, verabredet sich mit den unbekannten Verwandten, versucht sie zum Reden zu bringen, studiert Gerichtsakten. Was sie dabei erfährt, wird sie selbst für immer verändern …” (Quelle: Klappentext)

Mein Eindruck

Emma ist eine mehrfach ausgezeichnete Journalistin und erzählt in diesem Roman ihre eigene Familiengeschichte. Die Geschichte ihrer Mutter Pauline, die in ihren 20ern Südafrika verließ und in England einen Neuanfang wagte. All die Jahre fragte sich Emma, was ihre Mutter wohl zu dieser scheinbar überstürzten Immigration bewegte und warum sie seitdem weder richtigen Kontakt zu ihrer Familie hatte, noch nach Südafrika zurückkehrte. Ihre Mutter erzählte ihr immer nur kleine Teile ihrer Jugend und lässt durch Kleinigkeiten durchscheinen, dass ihr wohl Schlimmes widerfahren ist. Als sie an einem Krebsleiden stirbt, begibt sich Emma auf die Suche nach ihren Wurzeln und vor allem nach einem: der Wahrheit.

“Als ich beim Sportfest von einer roten Ameise gebissen wurde, untersuchte meine Mutter den winzigen Punkt, während ich vor mich hin schniefte. »Um Himmels willen. Was für ein Theater wegen so einer Lappalie. « Da, wo sie herkam, war der Biss einer Ameise, die den Namen verdiente, tödlich.” (S. 21)

Dieser Roman ist eine wahre Geschichte über ein dunkles Familiengeheimnis und eine Hommage an Emmas Mutter Pauline, einer sehr speziellen Art von Frau, deren schreckliche Jugend sie bis zu ihrem Tod in ihren Handlungen und Charakter prägte. Ein großer Teil des Buches spielt in Südafrika und man erfährt viel über diesen Teil der Erde, die Mentalität der Einwohner und die Landschaft. Als Leser merkt man sofort, dass Emma Brocke eine erfahrene Journalistin ist. Allerdings wird ihr dies, in meinen Augen, oft zum Verhängnis, da ihr Schreibstil oft zu distanziert und zu sachlich wirkt. Dieser Umstand nahm mir oftmals das Gefühl in der Geschichte drin zu stecken, wirklich von ihr eingenommen und festgehalten zu werden. Es passierte mir oft, dass ich nach ein paar Seiten noch mal zurückgehen musste, weil ich las und las aber mir der Zusammenhang zu dem vorherigen Geschichtsstrang nicht einleuchtete. Es ist des Öfteren so, dass ein Satz in einer anderen Zeit spielt, als der nächste und dies nicht durch eine Überleitung deutlich wird. Das ist natürlich für einen guten Lesefluss eher hinderlich.

“[…] darunter ein Brief meiner Mutter von 1976. »Das Baby hat alle meine Fehler«, lese ich und lache. Es ist ein indirektes Kompliment: Ihre Fehler hielt meine Mutter für sehr viel wertvoller als die Stärken der meisten anderen Leute.” (S.176)

Emmas Familiengeschichte ist wirklich verstörend. Die Autorin bringt diese, die sie nur durch Nacherzählungen durch ihre Verwandten erfährt allerdings so pragmatisch rüber, dass man als Leser kaum berührt wird. Nur die Stellen, die sie selber erlebt hat, wie den Tod ihrer Mutter, sind so authentisch geschrieben, dass es mir sehr nah ging und ich meine Tränen nicht zurückhalten konnte. Bilder helfen dem Leser dabei, sich die Personen, um die es geht besser vorstellen zu können. Wie sie wohl waren und wodurch sie zu den Personen wurden, die sie heute sind. Das zeigte mir auch, dass selbst ein, auf einem Foto lachendes Gesicht, nie offenbart wie sich eine Person wirklich fühlt. Ich habe mir oft überlegt, warum ich in diesem Buch nicht vorankam und warum es sich für mich trotz der geringen Seitenzahl so unendlich lang anfühlte. Ich denke, dass es an der Tatsache lag, dass es eine wahre Geschichte ist. Es ist keine ausgedachte Geschichte in der der Protagonist ständig unvorhersehbare Dinge erlebt und einen Spannungsbogen aufrechterhalten kann. Sondern eine Geschichte, die zwar nicht alltäglich ist, jedem von uns jedoch so passieren könnte. Eine Nacherzählung über die Ahnenforschung einer jungen Frau, die ihre Mutter viel zu froh verlor, ohne deren Geschichte zu hören.

Fazit

Der Roman zog sich leider viel zu lang. Es nahm mir regelrecht die Lust am Lesen und ich war froh, als ich es endlich beendet hatte. Nichtsdestotrotz, war die Familiengeschichte Emma Brockes dennoch interessant. Für mich, die ich andere Erwartungen an das Buch hegte, leider nichts. Für Stammbauminteressierte bestimmt lesenswert.

Vielen Dank an Vorablesen und dem dtv-Verlag für die Bereitsstellung dieses Exemplars!

Original Titel: She Left Me The Gun | Verlag: dtv | Format: Softcover | Seitenanzahl: 352 | ISBN: 978-3423260169
Erscheinungsdatum: 06.2014

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