So finster, so kalt – Diana Menschig

von Deborah von mirgetreu
So finster, so kalt

Klappentext

“Als Merle Hänssler nach dem Tod ihrer Großmutter in deren einsam gelegenes Haus im Schwarzwald zurückkehrt, findet sie im Nachlass ein altes Dokument. Darin berichtet ein gewisser Johannes, der Ende des 16. Jahrhunderts im Haus lebte, über merkwürdige Geschehnisse rund um seine Schwester Greta. Merle tut diese Geschichte zunächst als Aberglaube ab. Doch dann passieren im Dorf immer mehr unerklärliche Dinge: Kinder verschwinden, und auch das alte Haus selbst scheint ein seltsames Eigenleben zu entwickeln. Langsam, aber sicher beginnt Merle sich zu fragen, ob an Johannes’ Erzählung mehr dran ist, als sie wahrhaben wollte.” (Quelle: Knaur Verlag)

Mein Eindruck

„Die Hexe ist tot!“, mit diesem Satz beginnt „So finster, so kalt“, das neuste Werk von Diana Menschig und lässt den Leser verwundert aufhorchen. Eine Märchenadaption, die mit dem vermeintlichen Ende des Märchens anfängt? Aber keine Sorge, dieser Roman verwendet verschiedenste Märchenelemente und verwickelt diese in eine ganz neue, noch nie da gewesene Geschichte. Nach dem das Buch einem ein wunderbares Familienrezept für „finsterkalte“ Lebkuchenmännlein nahelegt, entführt uns Diana Menschig in eine Welt voller Mythen, Sagen und Märchen. Dennoch spielt der Großteil des Romans in der Gegenwart und verschlägt den Leser nur für knapp gehaltene Rückblicke in die Vergangenheit. Die 42-jährige Merle Hänssler, erfolgreiche Anwältin, erfährt während einem schwierigen Prozess von dem Tod ihrer geliebten Großmutter. Diese lebte bis zu ihrem Ableben in einem urigen Häuschen mitten im Hochschwarzwald. Da Merle eine enge Beziehung zu ihrer, von den Dorfkindern auch gerne als Hexe bezeichneten, Großmutter pflegte, bricht sie sofort von Hamburg aus auf, um der Beerdigung beizuwohnen und um im Häuschen nach dem Rechten zu sehen. Von ihrem Kindheitsfreund Björn erhält Merle Dokumente, die neben der Leiche ihrer Großmutter gefunden wurden. Darunter befindet sich unter anderem ein altes Dokument, das darauf hinweist, dass die Geschichte von Merles Vorfahren eventuell die Vorlage für das Märchen von „Hänsel & Gretel“ gewesen sein könnten. Da diese Familienrecherchen für Merles Oma scheinbar sehr wichtig gewesen sind, nimmt sie Kontakt mit dem Freiburger Germanisten und Märchenspezialisten Jakob Wolff auf. Dieser entpuppt sich bald als Merles größtem Verbündeten auf den Spuren nach der blutigen und geheimnisvollen Familiengeschichte.

“Merle erinnerte sich, dass sie Angst gehabt hatte, kurz vor dem Fall. So eine dichte körperliche Angst, die einem nach dem Aufwachen das Herz bis zum Hals schlagen lässt. Jene Angst, die der Erleichterung weicht, wenn man die verkrampften Finger von der Bettdecke löst und sich sagen kann, dass alles nur ein böser Traum gewesen ist.” (S. 20)

Obwohl der Schreibstil und die Grundstimmung des Buches angenehm waren, fiel es mir unglaublich schwer an dem Buch festzuhalten. Zu leicht konnte ich aus dem Bann dieses Buches gezogen werden und mich von allem Anderen ablenken lassen. Das Lesen des ersten Drittels zog sich dementsprechend über zwei Wochen hin, da es einfach keine Spannung und ernsthaftes Interesse bei mir aufbauen konnte. Da ich als große Märchenliebhaberin aber nicht einfach aufgeben wollte und auch sonst wirklich gute Rezensionen zu dem Buch gelesen hatte, gab ich mir einen Ruck und zwang mich zum Weiterlesen. Dies sollte auch belohnt werden, denn ab dem zweiten Drittel nahm die Geschichte auf einmal Fahrt auf und lies mich mit angehaltenem Atem die Seiten verschlingen. Mit jeder geschriebenen Zeile wurde der Spannungsbogen weiter gereizt und lies die Geschichte in ungeahnte Dimensionen vordringen. Auch die beiden Hauptcharaktere Merle und Jakob stechen durch ihre detaillierten Charakterprofile heraus. Zweifel und Angst, Mut und Verlangen. Es wird sehr deutlich in welchen Zwangslagen sich die Charaktere befinden, und wie sie mit diesen Zuständen umgehen. An jeder Stelle konnte man dadurch nachempfinden, was den Charakter zu dieser Ansicht brachte.

“Manche Dinge erscheinen zu schön, um wahr zu sein. Aber manchmal hat man einfach Glück.” (S. 118)

Spätestens ab dem Zeitpunkt, in dem sich die Gegenwart mit dem Übernatürlichen zu vermischen beginnt, sollte jedem bewusst werden, dass er mit diesem Roman keine fade, schon 1000-mal gehörte Märchengeschichte vor sich hat, sondern eine interessante Adaption eines Märchenklassikers, die einen das Medium „Märchen“ noch mal neu überdenken lässt.

Fazit

Eine gelungene Mischung von Märchen- & Gruselelementen. Auch der Hauch einer Liebesgeschichte fehlt hier nicht! Leider konnte mich das Buch erst ab dem zweiten Drittel von sich überzeugen, was in Anbetracht der Entwicklung der Geschichte nicht weiter schlimm ist. Hier lautet die Devise: Durchhalten, es lohnt sich!

Vielen Dank an den Knaur Verlag für die Bereitsstellung dieses Exemplars!

Original Titel: So finster, so kalt | Verlag: Knaur | Format: Softcover | Seitenanzahl: 384
ISBN: 978-3426514931 | Erscheinungsdatum: 04.2014

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