Und morgen am Meer – Corina Bomann

von Deborah von mirgetreu
Und morgen am Meer

Klappentext

„1989: Soundtrack eines Sommers. Milena wächst im Osten Berlins auf und verbringt ihre Zeit damit, verbotene Westmusik aus dem Radio aufzunehmen, wenn sie nicht gerade abenteuerliche Wandzeitungen für ihre Staatsbürgerkundelehrerin anfertigen muss. Claudius lebt im Westen Berlins und hat alle Hände voll damit zu tun, seinen Vater zu überzeugen, dass er nicht seine Rechtsanwaltskanzlei übernehmen wird. Er will nur eins: Musik machen und die Welt sehen. Als Claudius bei einem Tagesausflug nach Ostberlin zufällig Milena begegnet, ist seine Welt nicht mehr die alte. Mit einer Kassette, die Milena in der U-Bahn vergisst, beginnt eine zarte Liebe, die nicht sein darf. Die Mauer steht zwischen ihnen und ihrem gemeinsamen Traum, aber Milena und Claudius sind verrückt genug, alles für ihn zu wagen.“ (Quelle: Aufbau Verlag)

Mein Eindruck

Milena und Claudius sind zwei ganz normale Jugendliche, die mit den üblichen Schwierigkeiten wie Schule und Familie zu kämpfen haben. Doch eines unterscheidet sie ganz deutlich: Claudius lebt in Westberlin, Milena in Ostberlin. Eine dicke Mauer trennt nicht nur Freund von Feind, sondern auch zwei verschiedene Welten mit gegensätzlichen Ansichten. Als Claudius eines Tages mit seinen Freunden nach Ostberlin reist, um die Welt jenseits der Mauer kennenzulernen, trifft er auf Milena, die Claudius vom ersten Moment an fasziniert. Er möchte mehr von dem Mädchen mit den karamellfarbenen Haaren erfahren und beginnt schließlich eine geheime Freundschaft, die zu dieser Zeit mehr als gefährlich ist.

„Aber weißt du, wie es ist, an einem vollkommen verwahrlosten, schlecht beleuchteten Bahnhof vorbeizukommen und dir dann vorzustellen, wie es früher gewesen sein muss, als es da unten noch Geschäfte gab und Leute, die ein- und austiegen. Leute die sich frei durch die Stadt bewegen konnten und nicht verstummten, wenn sie an einem dieser verfallenen Orte entlanggefahren sind.“ (S.127)

Auf der Frankfurter Buchmesse staunte ich nicht schlecht, als ich am Stand des Aufbau Verlags auf ein mir unbekanntes Buch von Corina Bomann stieß. Zunächst dachte ich, dass es sich hierbei um ihr neustes Werk handelt, dann wurde ich jedoch von der netten Verlagsmitarbeiterin aufgeklärt, dass es die sich um die Neuauflage eines zuvor, von einem anderen Verlag herausgegebenen, Romans handelte. Die alte Version hätte ich aufgrund des Covers wahrscheinlich nicht in die Hand genommen und näher betrachtet. Die neue Version hingegen strahlt schon allein durch die Farbwahl einfach Wärme und gute Laune aus. Corinna Bomann erzählt in diesem Buch von den Erfahrungen ihrer eigenen Jugend. Sie wuchs in der DDR auf und konnte sich somit perfekt in die Figuren hineinversetzen. Dieser Umstand verleiht dem Roman viel Authentizität, Gefühl und weckt des Weiteren das Bedürfnis mehr über diese Zeit zu erfahren. Der Roman wird abwechselnd aus Milenas und Claudius‘ Sicht erzählt, was viel Abwechslung verschafft, da beide aufgrund ihrer unterschiedlichen Hintergründe Situationen anders bewerten. Milena ist im Osten Berlins geboren und aufgewachsen und sehnt sich trotz dessen, dass ihr Vater und ihre beste Freundin Sabine überzeugte Kommunisten sind, die die DDR verherrlichen, nach dem Westen. Ihr größter Traum ist es in Freiheit zu leben, das Mittelmeer zu besuchen und die westliche Musik legal zu genießen. Besonders die Amerikanische, welche natürlich verboten ist, da die Amerikaner Staatsfeinde sind. Dennoch schafft sie es ab und an mit ihrem alten Radio westliche Musik zu empfangen und nimmt diese für ihre beste Freundin auf Kassette auf. Das ist ein festes Ritual der Beiden bei dem sie Musik aus dem Radio auf Kassette für die jeweils andere aufnehmen, um dann die Kassetten einmal wöchentlich auszutauschen. Claudius ist in guten westlichen Verhältnissen aufgewachsen und möchte entgegen dem Wunsch seines Vaters, lieber in die weite Welt hinausziehen, um als Musiker durchzustarten, anstatt Jurist zu werden und die väterliche Kanzlei zu übernehmen. Als er Milena in Ostberlin zum ersten Mal sieht, ist es um ihn geschehen und mit dem Wunsch ihr nahe zu sein, entdeckt er auch für sich selbst, was er im Leben wirklich möchte.

„Seufzend blickte ich auf das Radio. Das Geräusch, das es von sich gab, klang wie das Meer, aus dem hin und wieder ein Ertrinkender auftauchte, der anstatt um Hilfe zu rufen Liedfetzen trällerte oder zusammenhanglose Sätze stammelte.“ (S.10)

Dieses Buch war einfach großartig. Wirklich. Anders kann man es schwer beschreiben. Eigentlich hätte mich die Thematik etwas abgeschreckt, denn die DDR konnte ich außer mit dem Geschichtsunterricht und einem Berlinbesuch mit nichts in Verbindung bringen. Doch da es sich hierbei, um ein Buch einer meiner Lieblingsautorinnen handelt, wagte ich einen Sprung ins kalte Wasser. Es war erschreckend, wie die Menschen damals gelebt haben, was sie durchgemacht haben und in welchen Umständen die Kinder aufwuchsen. Ebenso welche Ideale ihnen vorgelebt wurden und wie sie sich dem System fügen mussten. Dieses Buch hat mir die Thematik so nahe gebracht wie nichts anderes. Da kann weder ein Besuch Berlins noch der Geschichtsunterricht mithalten und ich finde, solche Lektüren sollten unterstützend im Unterricht eingesetzt werden, um dieses wichtige Kapitel unserer Geschichte wirklich zu verstehen und niemals in Vergessenheit geraten zu lassen.

Fazit

Ein wirklich tolles Buch, das die DDR-Thematik mit einer wundervollen Liebegeschichte zwischen zwei Jugendlichen auflockert. Große Empfehlung!

Vielen Dank an den Aufbau Verlag für die Bereitsstellung dieses Exemplars!

Original Titel: Und morgen am Meer | Verlag: Aufbau Verlag | Format: Taschenbuch | Seitenanzahl: 350
ISBN: 978-3-7466-2985-8 | Erscheinungsdatum: 10.2014

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