Von unvergesslichen Begegnungen und neuen Erkenntnissen – Die LitBlogCon 2016 Teil 1

von Deborah von mirgetreu
LitBlogCon16

Am Samstag war es so weit: der Bastei Lübbe Verlag lud im Rahmen der LitBlogCon 2016 nach Köln ein. 150 Karten wurden im Vorfeld verkauft und waren innerhalb einer Stunde vergriffen. Dass ich noch eine der letzten Karten ergattern konnte, habe ich dem glücklichen Zufall zu verdanken zur richtigen Zeit in Facebook geschaut zu haben. Kaum hatte ich meine Bestellung abgeschickt, meldeten schon die Ersten, dass sie kein Glück mehr hatten.

Nun möchte ich euch den ersten Teil meines ziemlich aufregenden Samstags schildern, der sehr früh begann und erst spät endete.

Die Hinreise

Der Wecker klingelte um 5:30 Uhr – eigentlich nichts Besonderes, denn so muss ich auch jede zweite Woche aus dem Bett. Doch an einem Samstag? Hach ja… dennoch fiel es mir nicht sonderlich schwer, weil die Vorfreude einfach überwog und mir mächtig Adrenalin in die Venen pumpte. Was, wenn ich es verpasste an der richtigen Haltestation umzusteigen? Was, wenn die Bahn sich mal wieder verspäten sollte? Also ging es relativ früh an den Stuttgarter Hauptbahnhof, schnell noch etwas Reiseproviant gekauft und dann ab in den Zug. Was ich an Reisen immer so interessant finde, sind die Menschen denen ich dabei begegne. Es sind Begegnungen, die einen zum Teil noch wochenlang, wenn nicht gar monatelang begleiten und beschäftigen. Im ersten Zug traf ich auf eine Frau, die vollbepackt auf dem Weg nach Dänemark war. Mit ihrem Sonnenhut und ihrer sympathischen Ausstrahlung ist sie mir sofort positiv aufgefallen, wollte sich aber dann beim Umsteigen – nach einem misstrauischen Blick – mit dem Gepäck dann doch nicht von mir helfen lassen. Naja, dann eben nicht 😉

Merke: Weniger Gepäck ist mehr und die erste Klasse zu buchen lohnt sich!

Im zweiten Zug erwartete mich eine Begegnung der besonderen Art, die ich sicherlich nicht so schnell vergessen werde. Eine Rentnerin saß mir gegenüber und schaffte es, mich die 2,5h verbleibende Fahrtzeit durchgängig zu unterhalten. Sei es mit Tipps von Frau zu Frau (wie war das noch mal mit den Bienchen und Blümchen?), dass ich mit 26 doch schon längst Kinder haben sollte (am besten übrigens schon mit 18!), wie man eine perfekte Biskuitrolle bäckt und welche Länder ich denn schon bereist hätte. Als ich Schottland erwähnte, fingen ihre Augen an zu strahlen und sie meinte: Ach, da möchte ich auch noch unbedingt hin und sehen, wo meine Highlander wohnen. Das Eis war gebrochen und auf mich drang ein nicht enden wollender Erzählschwall aller Outlander Bücher von Diana Gabaldon ein. Mehrfach habe ich darum gebeten, doch bitte bitte nicht weiterzuerzählen, da ich es doch selber lesen möchte. Aber nein, es wurde sofort wieder mit „Ach, vergessen Sie einfach, was ich Ihnen jetzt erzähle“ abgetan. Somit weiß ich jetzt unfreiwillig, wer wann stirbt, wer wessen Kinder bekommt, wer wen heiratet und so weiter. Danke! Ich wollte mich schon fast weinend auf die Toilette verziehen, da fragte sie mich nach meiner aktuellen Lektüre und was ich ihr denn empfehlen könnte – Outlanderfans können ja schließlich nicht irren. Nach einigen Empfehlungen gestand sie mir, dass sie auch gerne Jugendbücher liest. Sie, mit Mitte 60! Als ich ihr sagte, dass ich mit 26 oft gefragt werde, warum ich denn bitte Jugendbücher lese, zitierte sie mir einen Spruch, den sie in ihren Kindertagen in ihr Poesiealbum geschrieben bekam und an den sie sich ihr ganzes Leben gehalten hatte. Leider finde ich ihn nicht im Internet, aber er hatte etwas damit zu tun, sich seine Kindheit im Herzen immer zu bewahren, da sie wichtig für unser erwachsenes Leben ist.

Für Jugendbücher ist man niemals zu alt!

Ist es nicht toll, was für eine schöne Einstellung manche Menschen im etwas fortgeschritteneren Alter noch haben? Sie hatte zu dem Thema übrigens eine ähnliche Meinung wie ich. Warum Bücher lesen, die so grau wie das Leben sind. Sie möchte Bücher lesen, die sie in andere Welten versetzen, ihre Fantasie anregen und träumen lassen. Das wahre Leben sei doch schon ernst genug.

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Erste Begegnungen

Als ich dann gegen 11 Uhr am Kölner Hauptbahnhof ankam, erwartete mich schon Franzi, die mich zusammen mit einer anderen Bloggerin vom Gleis abholte. Unsere erste Station: Starbucks. Wie lange ich schon nicht mehr dort war. Aber heute wollte ich es mir gut gehen lassen und gönnte mir ein überteuertes Kaffeekaltgetränk. Mit Aussicht auf den Kölner Dom, der ja wirklich imposant ist, redeten wir über Gott und die Welt und natürlich über das anstehende Event. Nachdem sich Franzi einen Überblick über die Bahnverbindungen verschafft hatte (ich bin in solchen Dingen einfach nur schlecht :D), machten wir uns nun endgültig auf den Weg zu Bastei Lübbe.

Die Ankunft

Was für ein schwüles Wetter – unglaublich. Als wir in das Gebäude traten, waren wir alle ziemlich nass geschwitzt und erhofften uns, dass das Gebäude etwas kühler sei. Leider Fehlanzeige. Wir bekamen gegen Vorzeigen unserer Eintrittskarte ein Bändchen + eine Goodiebag und einen Plan, welche Workshops angeboten werden. Danach schauten wir uns erst mal um, welche Gesichter uns bekannt vorkamen. Leider bin ich wirklich schlecht, was Namen angeht und muss zugeben, dass ich einige Blogs leider bis dato gar nicht kannte. Aber man kann ja schließlich auch nicht jeden kennen. Kurz darauf erblickte ich meine Lieblingsblondine am Eingang und stürmte erst mal auf Tasmin zu. Wie schön es war sie nach knapp 1,5 Jahren endlich wieder zu sehen <3 Wir holten uns erst mal etwas zu trinken und bestaunten den tollen NetGalley Kuchen, der übrigens auch sehr gut schmeckte. Nach einiger Zeit, die uns allen zum Begrüßen, Knuddeln und Quatschen zur Verfügung stand, begrüßte uns das LitBlog Convention-Team auf der Bühne und dann ging es auch schon los.

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Ich habe mir zwar vorher schon ein paar Gedanken dazu gemacht, welche Workshops ich besuchen wollte, dennoch wollte ich es dann doch etwas spontaner entscheiden. Maßgeblich an dieser Entscheidung beteiligt war auch, dass die Räume, in denen die Workshops stattfanden, nur begrenzt Platz hatten.

Die Workshops

Der erste Workshop, den ich unbedingt besuchen wollte „Wonach riecht Murakami“ war im fünften Stock und es war in dieser Hitze echt anstrengend die vielen Treppen hochzulaufen. Schnaufend fanden wir uns dann im Raum ein und schon bald kamen Lektorin Annette Weber und Übersetzerin Ursula Gräfe herein, die uns sofort sehr sympathisch begrüßten und Blätter mit Übersetzungen austeilten. Frau Gräfe übersetzt schon seit Jahren Murakamis Werke direkt aus dem Japanischen. An dieser Stelle muss ich einfach erwähnen, was für einen unglaublichen Respekt ich vor Übersetzern habe. Es ist einfach – verzeiht das Wort, aber ich kann es nicht anders ausdrücken – krass, was diese Menschen für einen Job leisten. Schließlich müssen sie nicht „nur“ übersetzen, sondern auch den Ton und Stil des Autors irgendwie in die deutsche Sprache übertragen. Dass genau dieser Punkt nicht immer ideal umgesetzt wird, wurde uns am Beispiel von „Gefährliche Geliebte“ von Haruki Murakami gezeigt. Verglichen wurde die neue Übersetzung direkt aus dem Japanischen von Ursula Gräfe (übrigens unter dem Titel „Südlich der Grenze, westlich der Sonne“ erschienen) und die alte deutsche Übersetzung, die aus der englischen Übersetzung angefertigt wurde. Was für ein Unterschied! Meiner Meinung nach haben besonders japanische Autoren einen ganz anderen Schreibstil als westliche Autoren. Dies ist bei der Übersetzung aus dem Englischen total untergegangen, bei der Übersetzung aus dem Japanischen aber nicht. Auch viele Details werden in der englischen Übersetzung weggelassen, die somit auch in der alten deutschen Übersetzung gefehlt haben. Alles in allem ein sehr sehr interessanter Workshop (einer der für mich besten an diesem Tag). Mitgenommen habe ich mir, dass ich in Zukunft bei Romanen von ausländischen Autoren immer darauf achten werde, dass die Übersetzung direkt aus der Originalsprache stammt und nicht wie beim Beispiel Murakami: Japanisch – Englisch – Deutsch. Frau Gräfe hat übrigens ein Übersetzpensum von 10 Seiten pro Tag, welches sie manchmal schafft, manchmal aber auch nicht. Ganz schön viel, oder?

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Den zweiten Teil gibt es in den nächsten Tagen, da es sonst einfach den Rahmen sprengen würde. 🙂

>> Wart ihr auf der LitBlogCon? Welche Workshops habt oder hättet ihr am liebsten besucht?

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