Wie das Licht von einem erloschenen Stern – Nicole Boyle Rodtnes

von Deborah von mirgetreu
Wie das Licht von einem erschlosenen Stern

Klappentext

„Seit Vega bei einer Feier gestürzt ist, leidet sie an Aphasie. Sie kann nicht sprechen, kaum lesen und mit noch größerer Mühe schreiben. Auch die Beziehung zu ihrer besten Freundin Ida und ihrem Freund Johan gibt ihr keinen Halt, denn sie kommen mit ihrer Krankheit nicht zurecht. Vega fühlt sich innerlich wie tot und zieht sich immer mehr zurück. Bis sie Theo trifft, der ebenfalls an Aphasie leidet und beide merken, dass sich zusammen leichter ein Weg in ein neues Leben finden lässt.“ (Quelle: Beltz & Gelberg)

Mein Eindruck

Vega war mal ein ganz normales junges Mädchen mit vielen Träumen, bis ihr ein schrecklicher Unfall jeglichen Lebenswillen stahl. Seit sie auf einer Sommerfeier rückwärts in ein halb volles Schwimmbecken stolperte und mit dem Kopf auf dem Beckenboden stieß, leidet Vega an Aphasie. Eine Krankheit, die sie durch das geschädigte Sprachzentrum im Gehirn nicht mehr dazu befähigt, richtig zu sprechen, zu lesen und zu schreiben. Ihre beste Freundin Ida und auch ihr Freund Johan werden ihr von Woche zu Woche fremder. Als ob das Leben zwar weitergehen, Vega aber allein im Schatten zurückbleiben würde. Als ihre Mutter sie zu einem Workshop mit weiteren jungen Menschen, die an Aphasie leiden, überredet, trifft sie Theo und ist sofort fasziniert von seiner Ausstrahlung und seinem Charme. Nach und nach kommen Vegas Erinnerungen an jenen Abend zurück, der sie zu einem anderen Menschen machte. Und plötzlich ist sie sich sicher, dass dies kein gewöhnlicher Unfall war. Doch wie macht man das seinen Mitmenschen klar, wenn man doch keine Worte mehr hat?

„Du bist stark. Das musste ich mir in den letzten Monaten dauernd anhören, aber es stimmte nicht. Man sagt das denen, die eine Menge Scheiß durchmachen, ohne zu sterben. Aber man wird nicht stark vom Überleben, man überlebt nur.“ (S. 177)

Wie das Licht von einem erschlosenen Stern

„Wie das Licht von einem erloschenen Stern“ von Nicole Boyle Rodtnes erzählt die Geschichte zweier Personen, die sich zwar kaum verständigen können, sich aber trotzdem viel zu sagen haben. Dem kommt zugute, dass die Autorin einen relativ einfachen Schreibstil verwendet, dank dem man sich schnell in der Geschichte zurechtfinden und gespannt den wenigen Worten und vielen Gedanken Vegas widmen kann. Vega ist, verständlicherweise, sehr unzufrieden mit ihrem Leben. Sie kann nicht mehr zur Schule gehen auch alle anderen Menschen scheinen sich von ihr zu distanzieren. Zwar übt sie fleißig zu sprechen, aber oftmals kommt nur ein Wirrwarr an Worten aus ihrem Mund, der keinerlei Sinn ergibt. Dies erschwert die Kommunikation mit ihren Mitmenschen, besonders mit ihrer besten Freundin Ida und ihrem Freund Johan. Immer stärker merkt sie, dass zwischen ihr und Johan nur noch das Körperliche vorhanden ist, obwohl sie vor dem Unfall das ideale Traumpaar waren. Dies ist natürlich besonders tragisch, da sich Vega an diese Beziehung klammert, aber gleichzeitig merkt, wie Johans Interesse an ihr schwindet. Erst als sie Theo kennenlernt, der genau dasselbe durchmacht, gewinnt sie langsam aber stetig an Lebenswillen. Sie macht schnell Fortschritte und fühlt bald mehr für den jungen Mann, der sie mit seinen blauen… oder an anderer Stelle auch mal braunen Augen, total verzaubert.

Wie das Licht von einem erschlosenen Stern

Obwohl es in diesem Buch zahlreiche Klischees gab, die natürlich ausnahmslos bedient wurden, hat es mir doch alles in allem recht gut gefallen. Manche Stellen kommen einem in ähnlicher Art aus anderen Büchern dieses Genres doch recht bekannt vor, werden aber anders, meines Erachtens sogar besser, ausgearbeitet. Klar, dieses Buch handelt zwar von einer Krankheit, ist aber nicht zwangsläufig traurig. Die Beziehungen auseinanderbrechen zu sehen ist zwar nicht angenehm, aber da sich Vega zeitgleich neue Türen öffnen, kam ich damit ziemlich gut zurecht. Viel interessanter hingegen ist, dass sich Vega nach und nach an den Unfallabend erinnert und mit penibelster Detektivarbeit versucht herauszufinden, wie der Unfall damals zustande kam. Aber auch die zarten Annäherungsversuche von Vega und Theo und wunderschönen Momente, die mich einfach zufrieden seufzen ließen, machten dieses Buch zu einem guten Allrounder. Dieser Genremix hat mich das Buch innerhalb eines Abends verschlingen lassen und mir mal eine etwas andere Unterhaltung abseits der Sick-Lit geboten.

Fazit

Ein Buch, welches mich auf eine Krankheit aufmerksam gemacht hat, die wirklich kaum vorstellbar ist und definitiv mehr Beachtung verdient. Dazu eine schöne Liebesgeschichte und die anderen Grausamkeiten des Lebens. Insgesamt gesehen ein schönes Buch für Sonntagnachmittage. Mehr aber leider auch wieder nicht, da es an vielen Stellen zu klischeebehaftet und seicht war.

Original Titel: Hul i hovedet | Verlag: Beltz & Gelberg | Übersetzer: Gabriele Haefs | Seitenanzahl: 243
ISBN: 978-3-407-82104-1 | Erscheinungsdatum: 04.2016

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