Zwanzig Zeilen Liebe – Rowan Coleman

von Deborah von mirgetreu
Zwanzig Zeilen Liebe

Klappentext

“Sorg dafür, dass dein Vater sich wieder verliebt. Iss jeden Tag Gemüse. Trau keinem Mann mit übermäßigem Bartwuchs. Tanz auf meiner Beerdigung zu Dean Martin. Nacht für Nacht bringt Stella diese und andere Zeilen zu Papier. Die Hospizschwester schreibt Abschiedsbriefe im Auftrag ihrer schwer kranken Patienten und überreicht deren Nachrichten, nachdem sie verstorben sind. Bis sie einen Brief verfasst, bei dem sie keine Zeit verlieren darf. Denn manchmal lohnt es sich zu kämpfen: Für die Liebe. Für das Glück. Für den einen Moment im Leben, in dem die Sterne am Himmel ein wenig heller leuchten … ” (Quelle: Piper)

Mein Eindruck

Stella ist Nachtschwester in einem Londoner Hospiz. Sie schreibt Abschiedsbriefe für die Angehörigen der Patienten, die sie nach deren Tod entweder übergibt oder abschickt. Ob den Brief einer liebenden Ehefrau an ihren Mann, um ihn noch mal darauf hinzuweisen, wie die Waschmaschine funktioniert, einem Mann, der seinen Nachbarn noch nie leiden konnte und ihm nun seine Meinung geigt oder die zarten Worte einer Mutter an ihre Kinder, die nun ohne sie zurechtkommen müssen. Dabei ist Stellas Leben auch nicht gerade leicht. Ihr Ehemann ist ein ehemaliger Soldat, der in Afghanistan ein Bein verlor und es seitdem nicht mehr erträgt Stella in die Augen zu sehen.

„Natürlich kann man sein ganzes Leben mit der Idee der eigenen Sterblichkeit leben – man kann sein ganzes Leben lang wissen, dass eines Tages der letzte Tag gekommen sein wird – und trotzdem nicht wirklich wissen oder wissen wollen, was das eigentlich heißt. Jedenfalls nicht, bis der letzte Tag dann da ist.“ (S.15)

Rowan Coleman zeigt mit diesem Buch wieder einmal, dass sie es wirklich versteht mit sensiblen Themen umzugehen und diese authentisch und glaubhaft darzustellen. Mit „Einfach unvergesslich“ legte sie die Messlatte schon ziemlich hoch und hat sich mit diesem Buch selbst übertroffen. Von der ersten Seite an ist man im Buch drin, kann nicht genug bekommen von diesen wunderbar zusammengesetzten, fragilen Sätzen, die mit jedem Wort so viel Gefühl und Liebe ausdrücken. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven die durch Stella, die die leitende Position einnimmt, zusammenhängen. Sie ist es schließlich, die in jedem Handlungsstrang das Leben der erzählenden Person in irgendeiner Hinsicht bereichert. Anfangs hatte ich so einige Schwierigkeiten den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Handlungssträngen zu verstehen und kam dann doch etwas durcheinander und musste noch mal zurückblättern. Das ich erst durcheinandergekommen bin, lag an den vielen Briefen die sich zwischen den einzelnen Perspektiven befinden. Anfangs liest man die Briefe noch, in der Annahme, dass wichtige Information für die Handlung enthalten sind, was aber im Endeffekt in den wenigsten Fällen zutrifft. Sobald man also die Grenze zwischen Briefen und Geschichte zieht, steht einem in Sachen Verständnis nichts mehr im Wege.

„Bücher sind irgendwie eine Art Zeitreise, findest du nicht? Bücher holen dich aus deinem eigenen Leben raus und lassen dich in das Leben von jemand anderem rein. Leider muss man immer irgendwann wieder man selbst sein.“ (S.67)


Mit Stella bin ich leider kaum warm geworden. Zwar hat mich ihre Geschichte berührt, allerdings war an dieser Frau schon so viel Kaputtes, dass ich mich einfach nicht mehr richtig in ihre Situation hineinfühlen konnte und etwas Verständnis für ihre Denkweise haben konnte. Dennoch war sie mir in den Rückblicken VOR dem Unfall ihres Mannes sehr sympathisch, weswegen ich es umso trauriger fand, was aus ihr geworden ist. Hope erzählt ihre eigene Geschichte. Sie hat Mukoviszidose, eine Stoffwechselkrankheit die unter anderem die Atemwege verschleimt und sie somit nicht nur in ihrem Alltag einschränkt, sondern auch ihre Lebenserwartung erheblich senkt. Nach einer Infektion kommt sie übergangsweise zur Erholung in das Hospiz, in dem Stella arbeitet. Stets an ihrer Seite: ihr bester Freund Ben. Ein weiterer Erzähler in diesem Buch ist Hugh. Er ist Historiker und lebt ein einsames und so scheint es, sehr trauriges Leben im Haus seiner verstorbenen Eltern. Doch als nebenan eine alleinerziehende Frau mit Kind einzieht, fragt sich Hugh zum ersten Mal ob sein Leben, wie er es bisher gelebt hat, wirklich Sinn macht. Im Endeffekt hängen all diese verschiedenen kleinen Handlungen zusammen, was dieses Buch zusätzlich zu den anderen Aspekten so wunderbar macht. Ein harmonisches, trauriges, witziges und vor allem zum Seufzen schönes Buch!

Fazit

Dieses Buch zählt definitiv zu meinen Top Fünf des Jahres 2015. Rowan Coleman steckt so viel Gefühl in und zwischen die Zeilen, dass man definitiv eine Taschentuchpackung beim Lesen bereitstehen haben sollte! Wer „Einfach unvergesslich“ mochte, wird „Zwanzig Zeilen Liebe“ bestimmt lieben!

Vielen Dank an den Piper Verlag für die Bereitsstellung dieses Exemplars!

Original Titel: We Are All Made of Stars | Übersetzer: Marieke Heimburger | Verlag: Piper | Format: Softcover | Seitenanzahl: 416 | ISBN: 978-3-492-30994-3 | Erscheinungsdatum: 2015

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